Ausgabe 15 /31.3.2009

 

Wörter - nur Wörter! - nur Wörter?
von
Helga M. Dragosits
 

S E N S I B I L I T Ä T

*Empfindlichkeit oder Sensibilität bezeichnet:

  • Einfühlungsvermögen bzw. Empathie, die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen

  • Feinfühligkeit oder emotionale Sensibilität, die eigene Empfindlichkeit durch äußere Einflüsse

  • Sensibilität (Medizin), in Physiologie und Wahrnehmungspsychologie den „fünften Sinn“, das Fühlen

  • Empfindlichkeit eines Organismus für einen äußeren Einfluss, das Gegenteil von Resistenz

  • Sensitivität, die Wahrscheinlichkeit eines statistischen Tests, einen Sachverhalt zu erkennen

  • Empfindlichkeit (Technik), bei Messgeräten das Verhältnis von Ausgangsgröße zu Eingangsgröße

WIKIPEDIA

*SENSIBEL
Bedeutungen:
[1] leicht zu beschädigen
[2] empfindlich auf geistiger Ebene
[3] überempfindliche Reaktion gegenüber einem Stoff zeigend

Herkunft:
im 17. Jahrhundert entlehnt von französisch
sensible 
fr, dieses von lateinisch sensibilis  la „empfinden können“, gebildet aus sentire  la „empfinden“; siehe auch sensitiv und Sensor

Synonyme:
[1]
empfindlich, verletzlich, verwundbar
[2] empfindsam, feinfühlig
WIKTIONARY

*Sensibiliät [lat.-fr.]  w, -:  1) Empfindlichkeit, Empfindsamkeit; Feinfühligkeit. 2)Fähigkeit, Gefühls-u. Sinnesreize aufzunehmen (Med., Psychol.).  3) Empfangsempfindlichkeit bei  Funkempfängern. Fremdwörterduden 1966

„Sensibilität basiert - einmal abgesehen von der Begabung - überwiegend auf Wissen." - Wolfgang Beinert

Diesem Zitat kann ich nur widersprechen. Sensibel ist wohl jede Person, die spürt, eine mehr die andere weniger, wie oben beschrieben entweder auf der körperlichen, auf der seelischen oder auf der geistigen Ebene. Ich wurde bewusst das erste Mal mit dem Terminus „augriate Zezn“ , was ich damals als überempfindlich interpretierte, konfrontiert, als ich im Alter von 17 Jahren bei „Bambi“ herzzerreißend schluchzte. Die Bedeutung von Sensibilität im Sinne von feinfühlig-empathisch erlebte ich dann mit 27, als mir die Lust auf Disco verging, weil ich die Empfindungsschwingungen der Mittänzer/innen als bunte Lichtbänder sehen konnte. Und das zu einer Zeit, in der ich Alkohol- und Drogenfrei lebte. Sensibilität ist es wohl auch, wenn mir jemand die Hand gibt und mir die Luft weg bleibt, weil der von dieser Person empfundene Schmerz auf mich überschwappt. Nun, das ist meine Sensibilität, die sich in noch ganz anderen Dingen ausdrückt und von Elaine N. Aron und Georg Parlow in ihren Publikationen als hochsensibel und als Phänomen einer Minderheit beschrieben wird.

Für andere ist schon das 10 cm Abstand-halten beim Anstellen an der Kassa als sensibel zu betrachten. Oder das Akzeptieren, dass ein Abendessen mit den Arbeitskollegen des Partners eine mühsame Angelegenheit sein kann. Die Entwicklung von „Gespür“ für den anderen würde wahrscheinlich die zunehmende Vereinzelung – das in den Medien schon öfter dargestellte Anwachsen der Singelhaushalte – entschleunigen. Die Reizüberflutung, die Überbetonung sich ständig ändernder Banalitäten und die Oberflächlichkeit der Zeit lassen für Sensibilität wohl wenig Platz. Es sollte jedoch „in Mode“ kommen und „Lifestyle“ werden, andere wirklich wahr zu nehmen, sie nicht als lästige Hürden im Karriereverlauf oder als Anhängsel in der Freizeitgestaltung zu betrachten.

Sensibilität hat für mich nichts mit Schwäche zu tun, als die sie sehr oft fehlinterpretiert wird. Sensibilität hat für mich mit der Fähigkeit zu tun, etwas zu empfinden. Es ist an der Zeit, Empfindungen wieder zuzulassen und das materialistische Abgestumpft-sein aufzugeben.

 Autor: Helga M. Dragosits

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