Ausgabe 14 /17.3.2009

 

Wörter - nur Wörter! - nur Wörter?
von
Helga M. Dragosits
 

I N T U I T I O N

*Die Intuition (v. lat.: intueri = betrachten, erwägen) ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne Schlussfolgerungen, zu erlangen. Das vom Substantiv Intuition abgeleitete Adjektiv ist intuitiv.
Intuition steht letztlich hinter aller Kreativität. Der danach einsetzende Intellekt führt nur noch aus bzw. prüft bewusst die „Ergebnisse“, die aus dem Unbewussten kommen. Ein eng verwandter Begriff ist Serendipity
: dies bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.

*Intui|tion [lat. –mlat.] w; -,-en: unmittelbar ganzheitliche Sinneswahrnehmung im Gegensatz zum Beobachten von Einzelteilen; Erkennung des Wesens eines Gegenstandes in einem Akt ohne Reflexion; Eingebung, ahnendes Erfassen.
Soweit zu der Wortbedeutung wie sie im machtvollen Internetlexikon Wikipedia dargelegt wird und im Jahre 1966 im Fremdwörterbuch Duden zu lesen ist.

Nun, was ist jetzt Intuition? Hausverstand? Bauchgefühl? Unsere irrationalen Seiten?

Daniel Kahnemann von der US-Universität Princeton charakterisiert das intuitive Denken als „wahrnehmungsähnlich, schnell und mühelos“ - im Gegensatz zum logischen Denken, das meist anstrengend, aufwendig und langsam ist. Es wird der rechten Gehirnhälfte zugeordnet und es kann auch gesagt werden, „Intuition ist das, was ich weiß, von dem ich aber nicht weiß, dass ich es weiß, und mich mehr beeinflusst, als ich weiß“. Und Intuition kann, und sollte neuerdings auch, trainiert werden. Im Internet sind unzählige Bücher zu finden, die das neue Bauchgefühl in der Arbeitswelt propagieren oder das gezielte Training außersinnlicher Wahrnehmung, Telepathie, Feinwahrnehmung und Klarträumen zur Super-Intuition vermarkten.

Für mich zeigt sich Intuition in einfachen, alltäglichen Dingen. Wie etwa die Frage an ein 12-jähriges, nicht näher bekanntes Kind, dass vollkommen aufgelöst seinen Puls misst und ständig meldet: „Ich habe so Angst, dass ich was Ernstes habe und niemand nimmt mich ernst.“ – „Was ist denn so schlimmes in der letzen Zeit passiert was dich so aufregt und dich nicht zur Ruhe kommen lässt? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du da was nicht verarbeiten kannst?“ Es stellt sich heraus, dass es einen Skiunfall hatte, körperlich durch untersucht wurde und keine physischen Verletzungen zu erkennen waren. Tja, Unfalltraumatas werden leider immer noch nicht so recht ernst genommen. Ich bat das Kind, mir den Unfall doch zu erzählen und schon kühlte sich der überhitzte Kopf ab. Oder das Ablehnen einer Seminarteilnahme bei der ersten Anfrage, mit dem „Wissen“, dass die Vortragende wohl nicht der eigenen Lebenssicht entspricht. Nach breittreten und weil es eine Freundin ist und weil zu diesem Zeitpunkt noch an eine Zusammenarbeit geglaubt wird, die die Teilnahme möchte, dann doch mitmachen und echt enttäuscht werden. Es war nicht nur die Lebenssicht (das könnte ja unter self-fulfilling-prophecy fallen), es war auch die nicht gegebene Ernsthaftigkeit der Wissensweitergabe und das husch-wusch-Gefühl, mal schnell Geld machen, welches sagte, höre viel mehr auf deine Intuition. Etwa auf das Gefühl, der Mensch würde jetzt eine Umarmung brauchen, und das Gefühl dann ernst nehmen. Leider hören wir den Satz „hätt ich nur auf meine innere Stimme gehört!“ sehr oft. Genau das ist Intuition für mich – und nach den letzten schmerzlichen Erfahrungen werde ich diese Zeitqualität sehr ernst nehmen und meine Intuition nicht mehr so einfach als „sei nicht immer so emotional“ abtun.

 

 

 Autor: Helga M. Dragosits

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