Ausgabe 16 / 21.4.2009

U r l a u b
Flucht oder Pause vom Alltagsgeschehen?

Wir hatten das Glück (weil jetzt schon) oder auch das Pech (weil eben jetzt schon) unseren „Sommerurlaub“ in diesem Jahr schon in den Osterferien zu verbringen – die wir uns künstlich verlängert haben – also auf 14 Tage. Und diese zwei Wochen haben wir in oder besser auf Teneriffa verbracht.

Wir hatten einen angenehmen Hinflug ohne Turbulenzen und ohne gröbere Zwischenfälle – obwohl ich mir natürlich schönere fünf Stunden vorstellen kann – aber man nimmt ja so einiges hin, um mal einen Ortswechsel zu bekommen und ans geliebte Meer zu gelangen. Wir hatten wunderschöne Sicht, als wir eine Schleife über Afrika zogen und die viertausend Meter hohen, schneebedeckten (!) Gipfel des Atlasgebirges sahen, später die afrikanische Küste unweit von Casablanca entfernt überflogen, dann sahen wir Lanzarote – zumindest von oben – und schon setzten wir mit ein, zwei, drei Hopsern auf der Landebahn in Teneriffa auf. Endlich da.

Urlaub – Juchuh!

Es war ein wunderschöner Urlaub, wir waren faul, haben uns nicht von der Uhr leiten lassen – außer vielleicht beim Frühstück und Abendessen, haben natürlich auch ein bisserl was unternommen und es uns richtig gut gehen lassen. So wie es im Urlaub halt sein soll…

Naja, irgendwas stimmt an diesem Satz nicht… ich hab viel nachgedacht – Zeit hatte ich ja viel – weil keine Verpflichtungen da waren – warum lassen wir es uns nur im Urlaub so richtig gut gehen? Was genau hindert uns daran, dass es uns nicht jeden Tag so geht?

Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass der Urlaub regelrecht Flucht von daheim bedeutet… im Grunde ist es ja auch eine Art Flucht, weil ein Urlaub in den eigenen vier Wänden einfach nicht das gleiche ist. Jeder weiß das, man putzt plötzlich Dinge für die sonst keine Zeit ist, fängt irgendetwas an zu ordnen oder nützt die paar freien Tage im Jahr um etwas umzubauen. Ferien sind das keine – selten bringt man es zusammen wirklich nichts zu tun. Wenn man verreist ist, ist das natürlich was anderes – da werde ich kaum die Fenster meines Hotelzimmers putzen, oder meinen Wäschekorb leer bügeln. Nein, da brauch ich nicht mal kochen. Also keine Pflichten – nur Rechte … Es ist eine Pause und gleichzeitig natürlich auch eine Flucht.

Allerdings nicht für alle… an einem der letzten Tage im Hotel hab ich einen Mann, so um die dreißig, in kurzer Hose und Hemd, mit Badeschlapfen knapp neben dem Pool sitzen sehen – weit und breit kein Gesprächspartner in Sicht – dieser Mann hat wild gestikuliert und zwar mit beiden(!) Händen und sich fürchterlich über irgendetwas aufgeregt – über etwas Geschäftliches… ich hab dann entdeckt, dass er ein Headset am Ohr hatte und anscheinend mit seinem Büro daheim telefoniert hat. Er hat mir Leid getan. So cool, wie er dort gesessen ist mit seinem „Minihandy“ im Ohr, in seinen Badeschlapfen – so leid hat er mir getan, dass er nicht mal im Urlaub eine Pause machen kann und die Zeit sinnvoll mit seiner Familie verbringen kann. Ist man denn wirklich so unabkömmlich? Die paar Tage im Jahr, die sich der Geschäftsmann für seine Familie abzweigen kann, ist er sicherlich ersetzbar – keine Firma wird in dieser Zeit gleich Bankrott gehen, nur weil jemand im Urlaub ist. Und wenn ich doch hin und wieder erreichbar sein muss, dann setz ich mich doch nicht in die Menge und spiel den Supermann, der am Pool seine Geschäfte abwickeln muss. Mein Mitleid ist irgendwann dann in Ärger übergetreten, der aber ziemlich schnell wieder verflogen ist, da ich mich auf mein nächstes Fotomotiv konzentriert habe…

Dennoch denke ich noch immer darüber nach, warum wir es uns im Alltag nicht so gut gehen lassen, wie im Urlaub. Warum werden geliebte Dinge zu lästigen Verpflichtungen – oder geht’s da nur mir so? Ich koche für mein Leben gern, aber wenn ich mir jeden Tag den Kopf zerbrechen muss, was ich denn auf den Tisch zaubern soll, dann wird das Essen zur lästigen Verpflichtungen und aus dem Lästigen wird bald eine Last.

Natürlich können wir diese Pflichten nicht ausschalten – wir können ja nicht einfach alles weglassen, was wir nicht tun wollen – ich glaub nicht, dass das geht. Eigentlich sollten wir eine neue Freude, also ein neues Bewusstsein dafür entwickeln, dann wird die Pflicht wohl auch wieder ein geliebtes Werk und alles geht viel leichter. Nur die Kurve zu bekommen, das ist halt manchmal fast schon harte Arbeit. Doch sie ist es wert! Bleiben wir beim Thema kochen – wenn ich mir nur schnell und angefressen was in ein Pfandl schmeiß und irgendwas zusammenrühre, dann wird es nicht schmecken – wenn ich das Mahl aber mit Liebe und mit Bewusstsein zubereite, dann wird es mich nähren und wunderbar lecker sein. So ist das auch beim Putzen oder beim viel gehassten Bügeln – mit Liebe getan geht’s schneller und besser – und es ist auch nicht so anstrengend sondern befriedigend.

Es läuft halt alles immer auf’s Gleiche hinaus – in Liebe und mit viel Hingabe geht’s besser und leichter – das soll aber nicht heißen, dass ein Urlaub nur eine Flucht von meinen Alltagsverpflichtungen ist – ein Ortswechsel tut gut, weil wir aufmerksamer werden und vielleicht auch neue Perspektiven sehen. Ich fahr gern in den Urlaub, aber nicht deshalb, weil ich vor meinen Pflichten davonlaufe – wohl eher, weil ich das  tosende Meer lieber höre als meine schleudernde Waschmaschine…

Text: Sabine Miksu
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