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Ersterscheinung:  August 2009

Permakultur
 in Harmonie von und mit der Natur leben.


 

Der Duft farbenprächtiger Blumenmeere, Gemüsebeete in unterschiedlichsten Formen, kleine Teiche mit Seerosen und Lotosblüten, ein Schatten spendender Weidendom zum Meditieren und Ausruhen, eine Hängematte über dem üppigen essbaren Grün; Töne von Klangspielen wehen sanft durch die sommerlich warme Luft.

Diese Eindrücke bieten sich mir beim Betreten des Permakulturhofs Fraunberger und ich erlebe dabei ein Gefühl von Ankommen, Ruhe, Fülle und Glück, das hier tatsächlich in der Einfachheit zu liegen scheint.


Der Sehnsucht im Einklang mit der Natur zu leben sind Christine und Heinrich Fraunberger gefolgt und haben sich auf ihrem fünf Hektar großen Permakulturhof am Rande des Eferdinger Beckens ein kleines Paradies erschaffen. Im Interview mit LEBENSZEIT erklärt Christine Fraunberger, was hinter dem Begriff Permakultur steht, erzählt über ihre Lebens- und Wirtschaftsweise und macht Vorschläge wie jeder von uns Permakultur auch in einem kleinen Garten integrieren kann.

LZ: Christine, wie würdest du Permakultur beschreiben?
Permakultur ist ein nachhaltiges Landschafts- und Lebenskonzept, das schon seit Jahrtausenden von Naturvölkern auf verschiedenen Kontinenten angewendet wird. Permakultur beschreibt weniger eine spezielle Anbaumethode sondern basiert auf der Beobachtung natürlicher Kreisläufe und versucht, diese nachzuempfinden. Ziel ist es, sich selbst erhaltende Systeme aus Pflanzen und Tieren aufzubauen, die sich gegenseitig ergänzen und bereichern. Dazu ist es wichtig in Zusammenhängen zu denken und Wechselwirkungen zu beachten und zu nutzen. Die Vielfalt an Pflanzen und Arten, der Anbau auf kleinstmöglicher Fläche, die Maximierung von Ertrag sowie die Kooperation mit der Natur sind wichtige Permakultur-Prinzipien. Bei dieser Art des Wirtschaftens entnimmt man nur, was man braucht. Der Rest bleibt den Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen.
Permakultur basiert auf drei ethischen Grundsätzen, nämlich Verantwortung für die Erde und Mitmenschen, gerechtes Teilen von Überschussgütern sowie Selbstbegrenzung von Konsum und Bevölkerung. Diese Grundsätze gelten für den eigenen Garten genauso wie global. Das bedeutet z. B. für den Grundsatz gerechtes Teilen, Überschüsse aus dem eigenen Garten, die man selbst nicht verwerten kann, zu verschenken, zu verkaufen oder zu tauschen. Global geht es darum, dass reiche und/oder fruchtbare Länder ihre Überproduktion an arme Länder weitergeben. Permakultur lässt sich nicht nur in Gärten und in der Landwirtschaft sondern in der Architektur, Stadtplanung oder in sozialen Einrichtungen anwenden.

LZ: Seit wann betreibt ihr Permakultur auf eurem Hof und mit welchem Ziel?
Wir haben unseren Hof vor 20 Jahren gekauft und ihn in herkömmlicher biologischer Weise mit Mutterkuhhaltung, Getreide- und Gemüseanbau betrieben. Im Jahr 2000 haben wir dann nach und nach auf Permakultur umgestellt. Auf unserer fünf Hektar großen Fläche bauen wir Wildsträucher in Form von Hecken, Obst, Gemüse und Getreide an. Neben den gängigen Gemüse- und Obstsorten beherbergt unser Garten auch alte und ungewöhnliche Pflanzen wie z. B. schwarze Himbeeren, japanische Weinbeeren, Apfelbeeren, Dirndlsträucher, Mispeln, Kiwis, Auberginen, Okras, chinesischen Senf, violette Kartoffeln und Karotten, Melonen, Wildpflaumen und ca. 20 verschiedene Sorten Tomaten.
Unser Ziel ist die Eigenversorgung unserer Familie und zwar das ganze Jahr über. Also ist auch das Konservieren wie Einlegen, Einfrieren, Einkochen, Trocknen und das richtige Lagern im Keller von z. B. Wurzelgemüse ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Das Brot, das wir brauchen, backe ich selbst. Was wir darüber hinaus erwirtschaften, wird verkauft, verschenkt oder getauscht. Zukaufen müssen wir dann noch Dinge wie Milchprodukte, Öle, Hirse, Kaffee oder Honig.
Da Permakultur auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, versuchen wir dies auch bei unserer Energieversorgung umzusetzen. Unser Warmwasser wird von einer Solaranlage am Dach erzeugt und neuerdings bauen wir auf einem Hektar Fläche Miskantos (Elefantengras) an, mit dem wir unsere Heizung in ca. drei Jahren zu 100 Prozent betreiben können.

LZ: Bei euch wachsen die Pflanzen nicht in Reih und Glied, wie man das sonst gewohnt ist. Was ist das Besondere beim Anbau und der Pflege der Pflanzen, wenn man Permakultur betreibt?
Ja, das stimmt. Bei uns dürfen die Pflanzen anders als im konventionellen Anbau wachsen, nämlich durcheinander. Viele meiner Pflanzen sind so genannte „Selbstaussäher“ wie z. B. Rukkola, Pflücksalate, Melden oder Chinesischer Senf. Im Frühjahr gehen diese jungen Pflanzen von selbst dort auf, wo die Samen im Herbst ausgefallen sind. Man braucht also nur ernten und hat eigentlich überhaupt keine Arbeit damit. Dazwischen setze ich dann die anderen Samen und Jungpflanzen, die noch mit aufs Beet sollen. Die Beete sehen so jedes Jahr anders aus, was eine lebendige Abwechslung in unseren Garten bringt. Die Pflege reduziert sich durch diese Anbauweise beträchtlich. Das Mulchen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaftsweise. Damit meint man das Auftragen einer dichten Schicht aus Grasschnitt, wodurch Hacken und Umgraben überflüssig wird. Außerdem wird der Boden gut vor Trockenheit geschützt und Unkraut unterdrückt. Schädlinge wie Schnecken sind zwar da, weil aber das Angebot so reichlich ist und die Anbauweise unsystematisch, finden sie die Jungpflanzen nicht so leicht. Schädlinge vermehren sich meiner Ansicht nach umso mehr, je steriler ein Garten ist. Durch die Pflanzenvielfalt ergeben sich Symbiosen. So halten z. B. bestimmte Duftstoffkombinationen Schädlinge ab. Und mit einigen Schädlingen lässt es sich gut leben. Sie gehören als Teil der Natur eben auch dazu.

LZ: Es ist faszinierend für mich, wie man in der Permakultur Wärme und Nährstoffe nutzbar machen und den Ertrag völlig ohne Kunstdünger maximieren kann. Kannst du uns erklären wie das funktioniert?
Ich werde das Prinzip anhand zweier bekannter Elemente aus der Permakultur, nämlich der Kräuterspirale und dem Hügelbeet beschreiben.
Die Kräuterspirale ist ein mit Steinen aufgebautes dreidimensionales Beet, das schon seit Urzeiten verwendet wird und sich in Gärten wachsender Beliebtheit erfreut. Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen können so auf kleinem Raum gemeinsam wachsen. Der obere Bereich der Spirale ist sonnig, trocken und nährstoffarm. Er eignet sich besonders für Kräuter aus dem Mittelmeerraum, die ätherische Öle entfalten, wie Basilikum oder Rosmarin. Je weiter man nach unten kommt umso feuchter und humusreicher wird der Boden. Dort gedeihen Kräuter aus unseren Breiten wie Schnittlauch, Salbei oder Petersilie am besten. Dieses gemeinsame Wachsen der Kräuter lässt in Pflanzen Muster und Schwingungen entstehen, wodurch sich mehr Inhaltsstoffe wie Vitamine und Öle bilden.
Ein Hügelbeet sieht, wie der Name schon sagt, aus wie ein Hügel und kann jede beliebige Form haben von rund über länglich bis sichelförmig. Um ein Hügelbeet anzulegen wird zuerst ein Haufen aus grobem Reisig, Grasschnitt und Blättern oder gröberen Stängeln aufgebaut und anschließend mit ca. 40 cm Erdschicht bedeckt. Dieser Erdhügel hat den Vorteil, dass er Platz sparend ist und keinen Dünger braucht, weil das Innenleben des Hügels sich mit der Zeit Nährstoff spendend zersetzt. Das lockt Würmer an, die natürlichen Dünger freisetzen und darüber hinaus entsteht bei diesem Prozess Wärme, die den Pflanzen zum Wachsen dient. Effizienz ist ein wichtiges Ziel von Permakultur und so werden natürliche Rahmenbedingungen optimal genutzt.

LZ: Permakultur nutzt moderne Techniken genauso wie altes und intuitives Wissen wie z. B. aus Feng Shui oder Geomantie. Was ist Geomantie und wie setzt ihr sie ein?
Geomantie ist das Erkennen und Erspüren von Energien in Raum und Landschaft und trägt zu einem harmonischen und gesunden Wohnen und Leben bei. In der Landschaft gibt es verschiedenste Punkte, an denen Kräfte aus der Erde sowie aus dem Kosmos wirken. Starke Wirkkräfte der Erde kann man an bestimmten Baum- und Gesteinsformationen oder besonderem Pflanzen- und Gräserbewuchs erkennen. Es sind oft Plätze, wo sich Tierherden besonders gerne aufhalten. Unsere Kühe sammelten sich immer an einem solchen energetisch hoch schwingenden Platz. Das ist die natürliche Geomantie.
Man kann Geomantie aber auch steuern. Ein anderer Name dafür ist Erdheilung, die wir auf unserem Hof einsetzen. Dabei werden verschiedene Gesteinsmaterialien um einen Baum gestreut. Das nennen wir Ringkompost. Durch richtig platzierte Steine, Kristalle, einen Baum oder Baumgruppen werden im Garten und näheren Umfeld harmonische Energiefelder aktiviert und aufgebaut. Die Wirkung dieser Kraftplätze hilft den Menschen, sich selbst immer wieder auszugleichen und gibt Kraft um sich dauerhaft wohl zu fühlen. Diese Punkte kann man durch Pendel, Rute oder Hineinfühlen erkennen.

LZ: Was ist deine Vision von unserer Ernährung in den nächsten 20 Jahren?
Meine Zukunftsvorstellung ist, dass ein großer Umdenkprozess sowohl beim Konsumenten als auch in der Landwirtschaft stattfinden wird. In einigen Jahren bis Jahrzehnten wird biologische Vollwerternährung selbstverständlich sein. Da bin ich ganz sicher. Ich glaube, dass auch Selbstversorgung wieder einen größeren Stellenwert bekommen wird. Viele Menschen werden danach streben, in eigenen kleinen Gärten einen Großteil ihres Nahrungsbedarfs abzudecken. Sie werden erkennen, dass es Freude macht und dass das, was sie selbst anpflanzen sie reicher mit Energie versorgt und sie dadurch gesünder, vitaler und offener sind und ihre Selbstheilung und Entwicklung fördern. 

LZ: Neben Haushalt und Landwirtschaft hast du noch eine Teilzeitanstellung und bist als Kinesiologin selbständig. Wie lässt sich das schaffen?
Die Arbeit mit Permakultur ist eine Arbeit, die mir Freude, Spaß und inneren Frieden gibt und ich kann dabei Kraft tanken. Es ist also nicht wirklich Arbeit, sondern schon fast Meditation. Ich baue dabei nicht ab sondern auf. Das heißt für mich auch Freiheit. Ich fühle mich dabei total verbunden mit allem – mit der Erde und dem Kosmos. Auch wenn ich zehn Stunden arbeite heißt das nicht, dass ich müde ins Bett fallen muss. Und so bleibt dann auch noch Energie für andere Aktivitäten und Arbeiten, denen ich mich neben der Permakultur widmen kann.

LZ: Wie können auch Menschen, die z. B. nur einen kleinen Garten haben Permakultur für sich nutzen?
Zuerst einfach, indem sie sich dafür interessieren, Literatur lesen, Vorträge anhören und sich mit Leuten austauschen, die bereits Erfahrung mit Permakultur haben. Dann kann man selbst in ganz kleinem Rahmen anfangen, z. B. mit einer Kräuterspirale oder einem kleinen Hügelbeet. Und wenn man Spaß daran hat, kann man nach und nach weitere Elemente anlegen. Jeder wird merken, dass das Energiefeld im Garten umso besser aufgebaut wird, je mehr Pflanzen im Garten wachsen.
Wichtig ist auch, sich Zeit für Beobachtung und Hineinfühlen in die Individualität des Gartens zu nehmen und eine Beziehung aufzubauen, denn Permakultur entsteht immer im Einklang mit der Natur und den dort lebenden Menschen. Der Aspekt des Fühlens und Hineinhörens ist in der heutigen schnelllebigen Zeit für viele Menschen ins Hintertreffen geraten. Bei der Arbeit mit Permakultur kann dieser wieder aktiviert, trainiert und freudvoll nutzbar gemacht werden.

LZ: Christine, danke für das Interview!
Christine Fraunberger bietet auf Anfrage Führungen auf Ihrem Hof und Workshops über Permakultur an. Nähere Infos auf http://www.permakulturhof.com oder telefonisch unter 07277/2956.

Christine Fraunbergers Permakultur-Literaturtipps:

  • Sepp Holzer (österreichischer Permakultur-Pionier); seine Bücher findet man unter http://www.krameterhof.at

  • Masanobu Fukuoka: Der Große Weg hat kein Tor. Pala-Verlag

  • Sepp Brunner: Permakultur für alle: Harmonisch leben und einfach gärtnern im Einklang mit der Natur. Löwenzahn

  • Robert Hart: Die Wald-Gärtnerei. Pala-Verlag

  • Ruth Stout: Mulch - Gärtnern ohne Arbeit. Pala-Verlag

Das Interview mit Frau Fraunberger zeigt bei mir auf jeden Fall bereits ungeplante Folgen. Ich sehe seitdem unseren eigenen Garten daheim in einem anderen Licht und beginne, mich anders in ihm zu verhalten.

 

© Text Elisabeth Schatz  © Foto Zeitschrift LebensZeit

Quelle: Zeitschrift LebensZeit,  www.lebens-zeit.org / mit freundlicher Genehmigung von Mag. Karin Brandner zur Verfügung gestellt.

 

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