LICHTBOTE :: INFO
Ersterscheinung: Dezember 2010

Architekt Dipl. Ing. Werner Vogl
STAATLICH BEEIDETER UND BEFUGTER ZIVILTECHNIKER

Orte der Stille
 

Unsere Welt wird immer hektischer und alles muss so ungemein schnell gehen. Im Fernsehen in Werbung und so genannten künstlerischen und Jugend Sendungen wird der Bildschnitt in Stakkatoform bearbeitet, das Auge kommt kaum mit, aber der Gesamteindruck ist sensationshaschend. In der modernen Musik werden die Tempi immer schneller und die Texte und deren Präsentationen immer aggressiver und Rappen ist schon fast ein Muss bei Newcomern. Auch hier kommt das Ohr manchmal gar nicht mehr mit, von den Lautstärken in diversen Discos oder bei Konzertveranstaltungen ganz zu schweigen.

Was macht diese Entwicklung so fatal und vor allem warum verlangt der Großteil der Jugend und viele, die mit der Jugend mithalten wollen, aber bereits um die vierzig oder noch älter sind diese Art der Dröhnung und Niederhämmern und empfinden das hipp?  Was wird hier so gnadenlos unterdrückt?

Welche Empfindungen wollen nicht gespürt werden? Was passiert, wenn ein Mensch keine Berieselung oder Ablenkung  zur Verfügung hat?

Was geschieht im Inneren, wenn alles still wird, wenn außer dem inneren Dialog- der ja ständig vorhanden ist- keiner spricht oder nichts Lärm macht?


In allen Meditationsschulen oder bei allen Formen von innerer Einkehr und Rückzugsarten wird der Aufmerksamkeit für sich selbst entscheidende Bedeutung zugemessen. Zu erfahren wie der Atem fließt und wie man/frau mit dem inneren Dialog zurechtkommen kann und wie all den auftauchenden Bildern und Emotionen in der Meditation begegnet werden kann, ohne von Ihnen hinweggeschwemmt zu werden. Manche Methoden versuchen das all diese inneren Vorgänge schließlich gänzlich verschwinden und andere wieder zielen darauf ab, dass wir uns vom Verstand - dem Wachbewusstsein - soweit entfernen, dass etwas anderes tieferes ans Licht kommen kann und dann für uns handelt, wie zum Beispiel in der ZEN Meditation des Bogenschießens. Der Intellekt, der genau weiß wie Bogen und Pfeil zu handhaben sind und der von sich so eingenommen ist, dass er imstande ist das Unterbewusste und Unbewusste völlig zu überlagern – also „niederzudröhnen“, so dass es nicht mehr wahrgenommen wird, soll nicht mehr der bestimmende Faktor sein. Die Meditationstechnik zielt genau auf dieses Faktum ab und lehrt uns solange zu üben, bis wir nicht mehr intellektuell über den Vorgang des Bogenschießens nachdenken, sondern uns im Vertrauen unseren unterbewussten Kräften hingeben, unseren Intellekt überwinden und definitiv Bogen und Pfeil gleichzeitig SIND, so dass das Ziel mühelos erreicht und getroffen wird.

In all den östlichen Meditationsarten aber genauso wie in den abendländischen Traditionen der Mönche mit den Einkehrtagen oder ähnlichen Rückzugsritualen, die meist auch mit Fasten und Beten beginnen ist diese Überwindung des Intellekts und dessen „Lustreihenfolge“ und Bewertung von Situationen vorrangiges Ziel. In der Einsamkeit oder aber auch in der Gruppe von Gleichgesinnten kann dies Überwindung geübt werden. Es gibt Formen der Meditation, in der über einen gewissen Zeitraum nicht gesprochen werden darf. Und zwar gar kein Wort und unter allen Umständen. Diese Bereitschaft zum Schweigen wird von den Meistern manchmal mit drastischen Versuchen ein Wort zu provozieren überprüft und bei erfolgreicher Provokation wird der Übende nochmals von Neuem eingestellt, bis er das Schweigen tatsächlich verinnerlicht hat. Wenn dann nach einer Woche die Übung vollbracht ist und das erste Wort gesprochen wird, meint man/frau es platzt einem das Trommelfell! So laut kommt uns dann im Inneren die Lautstärke vor, obwohl wir in gewohnter Lautstärke gesprochen haben. Ich habe diese Übung einmal selbst mitmachen dürfen und ich kann nur sagen, es ist eine sehr schwere Übung, die nur leicht klingt.   

Ein weiterer Schritt zu sich selbst kann auch sein, wenn man/frau diese Übung auch noch in einer lichtlosen Kammer unter der Erde ausführt. Es gibt solche belüfteten, absolut dunklen Räume, die für Einzelpersonen für eine festgelegte Zeit des Rückzuges in die Einsamkeit der Stille und der Dunkelheit vorbereitet sind. In dieser Zeit können erstaunliche Erfahrungen gemacht werden. Wenn diese Übung auch noch mit Fasten verbracht wird können frühkindliche Erfahrungen gemacht werden, wie es im Mutterbauch war oder aber auch wie es sich anfühlt, zwischen den Welten und Geburten zu schweben. 

In jedem Fall ist der Übende auf sich selbst zurückgeworfen. Meist kennt er völlige Dunkelheit nicht und ist überrascht, dass es nicht angstmachend ist! Oder die absolute Stille, die ihm/ihr den eigenen Herzschlag hören lässt und am Anfang jeder Atemzug als Lärmbelästigung empfunden wird. Aber wenn man/frau sich wirklich einlassen kann, erwartet den Übenden unerwartete Glücksmomente des „all-eins-sein“, die überwältigend sein können. In westlichen Städten gibt es Übungen die anbieten, sich in einem komfortablen Sarg für eine gewisse Zeit einsperren zu lassen. Natürlich mit Notknopf zum Abbrechen der Sequenz, aber im Grunde ist dies- obwohl es als Sensations- und Geschäftemacherei entstanden ist, deshalb so attraktiv, weil es den tiefsten Wunsch nach der eigenen Stille und dem „eigenen-Kern-nahe-sein-wollen“ Rechnung trägt und letztlich den bewussten, vorher beschriebenen Meditationstechniken, nahe kommt.  

Aber wieso haben wir auf der einen Seite diese Gier nach Techno-, Lärm, Stakkato und Bildzerhackern und auf der anderen Seite wird weltweit von vielen Menschen die Stille, Einsamkeit, und das Fernhalten von all den Zerstreuungen gesucht?  Dafür gibt es keine direkte Antwort, vielmehr ist es so, dass alle Menschen einen bestimmten Level der Menschwerdung einnehmen, der ihnen und Ihrer momentanen Entwicklung entspricht. Und diese Level sind sehr unterschiedlich. Wir hier im Westen in der Sozialität der Industriegesellschaft und des Patriarchats sind weit stärker den marsbetonten, kämpferischem, ja sogar kriegerischem Verhalten als Grundstimmung ausgesetzt. Unser Wirtschaftssystem basiert auf Zerstörung und merkantile Verdrängung der Mitbewerber. Am eindringlichsten zeigt sich das Scheitern- oder besser die unsägliche Leidbringung dieses Systems in den Stellvertreterkriegen unserer Zeit. Die reichste Industrienation der Erde (USA) _ aber auch die größte und an Bodenschätzen reichste Nation (Russland) meine ihren Status nur durch Unterdrückung und kriegerische Auseinandersetzungen bewahren zu können. Sie scheuen sich nicht für diese Durchsetzung tausende eigene Menschen und natürlich auch abertausende der so genannten „Feinde“ zu opfern. Zu opfern in einem an Zynismus nicht zu überbietenden Appell an die Vaterlandstreue! Wir haben immer noch die Nachrichten über das U-Bootunglück eines russischen Atom U-Bootes in Erinnerung, wo die Kremlführung alle 112 Seeleute opferte, obwohl das Ausland sofortige Hilfe (z.B. Norwegen) anbot, entschied man sich gegen eine Hilfe aus dem Ausland, da dadurch womöglich publik hätte werden können, welche Atomwaffen dieses Boot an Bord hatte. 112 Seeleute, einfach so aus Staatsräson.

Aber auch die USA und andere Industriestaaten, die sich gemeinsam bemüßigt gefühlt haben den tatsächlich ungemein grausamen Diktator Saddam Hussein zu entmachten und gleichzeitig gehofft hatten die Kontrolle der dortigen Ölfelder und Aufträge zum Wiederaufbau zu erlangen, genieren sich nicht auf der anderen Seite so wie die Jahrzehnte davor – mit ebenso grausamen Diktatoren in Südamerika, Afrika und Asien muntere Geschäfte zu machen, insbesondere Waffengeschäfte natürlich! Ist das nicht ein wasserdichtes System: erst fahren sie in ein fernes Land, zerstören es ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und bekommen danach von der internationalen Staatengemeinschaft das Geld zum Wiederaufbau. Das nenne ich eine ordentliche Wirtschaftspolitik- nowerdays!  Man erinnert sich auch noch an die Groteske, dass die Amerikaner die Taliban in Afghanistan nicht nur mit Waffen beliefert hatten sondern auch ihre Kämpfer ausgebildet hatten, solange sie gegen Russland gekämpft haben. Und sie somit für den späteren Kampf gegen die USA erst fit gemacht haben. Natürlich ist die Weltpolitik und die Verflechtungen der  einzelnen Interessen vielschichtiger und eher sehr kompliziert, aber sie wird von der Zerstörungsabsicht und dem Hegemoniestreben je nach Machtverhältnissen geprägt. 

Dazu ist das fast unlösbar scheinende Problem um die heilige Stadt Jerusalem ein sehr anschauliches Beispiel.  Zumindest drei Weltreligionen erheben alleinigen Anspruch auf diesen geomantisch überaus hochschwingenden Ort und verdammen gleichzeitig die anderen Religionen und sprechen ihnen das Recht auf Jerusalem ab. Dazu kommen noch die internen Grabenkämpfe auf allen Seiten und in allen politischen Gruppierungen dieser Region. Dann mischen sich auch noch die USA, Russland und die EU ein und das Ergebnis ist ein „Perpetuum mobile“ – Krieg auf Ewigkeit. Wenn nicht ein Wunder geschieht. Erst wenn diese Frage, dieser Disput, dieser Krieg, diese Religionsgräben geklärt, bereinigt und beendet sind, wird es Frieden auf der Welt geben können! 

Aus all dem was hier angesprochen worden ist entsteht bei den einzelnen Menschen, die ganz im Tiefen wissen, dass sie überhaupt keine  Rolle bei den Entscheidungen und Machtspielen der Großen haben, eine unendliche Leere, die sie mit so viel Ablenkung wie möglich zu vertuschen suchen. Alle Formen der Ablenkung und der Betäubung sind da recht, und viel davon sind gesellschaftlich sogar sehr anerkannt!  Genauso wie die Medien, die sich natürlich seismografisch immer scharf am Puls der Bedürfnisse der Konsumenten orientieren, und  diese Gier nach Betäubung und Zerstreuung zu befriedigen suchen. 

Gerade an diesem Beispiel könnten wir anschaulich lernen, welchen Einfluss „der Konsument“ haben kann, wie groß die Macht „des Konsumenten“ in seiner Gesamtheit wirklich sein könnte, all diese Manipulationen und sinnlosen Belustigungen auf ein Maß der Gesundheit zu bringen und an seine Stelle andere Inhalte für Zeitverbringungen zu wählen. Im Klartext: all diese reißerischen Zeitungen mit den tendenziösen Berichten einfach nicht mehr zu kaufen! Stellen Sie sich vor was passieren würde, würde beispielsweise die Kronen Zeitung plötzlich nur mehr von ein paar tausend unverbesserlichen gekauft werden? Ich denke, die Redaktion würde auf die geänderten Wünsche der Konsumenten umschwenken....aber ganz sicher!  

Dies zeigt, dass die Menschen es sehr wohl in der Hand hätten auch politisch und  wirtschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Es müssen sich nur genügend für solche andere Inhalte einsetzen, wie Friedliche Koexistenz, Fairness in der Wirtschaft, Nachhaltigkeit bei Konsumation der Natur, Heilsamer Umgang mit unseren Nahrungsmitteln, liebevolle Betreuung unserer Kinder, und deren Erziehung zu friedfertigen, offenen, angstfreien, selbstbewussten Menschen, die eine eigene Meinung haben und sehr wohl wissen, wie sehr sie mit all anderen Wesen hier auf der Welt und dem Universum verbunden sind. Diese Kinder würden einen sehr anderen Kurs bei all den heutigen Problemen einschlagen. Es wäre eine echte Revolution ohne Blutvergießen und Ausgrenzung Andersdenkender. Und dann hätten wir sehr schnell eine ganz andere Welt, als jene, die sich uns heute präsentiert.   

Weil aber die meisten Menschen weiter fest daran glauben, dass sie ohnedies nichts verändern können steigt auch ihr Ohnmachtsgefühl und der Leidensdruck wird immer höher. Die Dosis der Betäubung oder der Sensation muss erhöht werden um den inneren Schrei der Seele noch übertönen zu können. Wenn aber bei einzelnen Menschen der Leidensdruck dazu führt, dass sie erkennen, dass es so nicht weitergeht, dann entscheiden sie sich auf die Suche nach dem Selbst zu gehen. Nach der Essenz und wollen herausfinden warum sie hier sind und was ihre Aufgabe in dieser Welt ist. Oder sie wollen einfach nur nicht mehr so weitermachen. Denn die Betäubungen und Ablenkungen sind  meist ungesund, kosten viel Geld  und nutzen sich rasch ab. Also könnte man/frau ja auch den viel geschmähten Verstand zur Erneuerung der Lebensumstände verwenden, und durch reine Vernunft andere, gesündere, fröhlichere und zuträglichere Zeitverbringungen zu versuchen, die vielleicht auch noch mehr Spaß machen.  

Um dieser neuen Ausrichtung zu folgen, suchen die meisten Menschen dann Orte auf, die eine gewisse Ruhe und Erhabenheit ausstrahlen. Alleine oder in Gruppen begibt man sich in die Natur, um an Plätzen langsam zu den eigenen Schwingungen zu gelangen und da helfen Orte in der Natur. Manche Orte sind nicht nur schön anzuschauen sondern strahlen auch noch einen geheimnisvolle Kraft aus, die sich dann auch auf die Seele der Menschen ausdehnt. Das Erleben dieser Naturphänomene kann man am besten dadurch beginnen, dass man/frau sich auf die erfahrbaren Elemente einlässt: 
Zuerst die Schuhe und die Socken, die Strümpfe und die hohen Absätze ausziehen und barfuss die Erde erkunden, die uns immer trägt. Durch Wiese oder Waldboden ganz bewusst Schritt für Schritt genießen und aufmerksam erfühlen, wie sich der Untergrund ändert. Durch  Bach und See waten, das Wasser mit seiner Temperatur und seiner Bewegung spüren. Den Untergrund erkunden - ob Sand oder Erde - oder über eine sumpfige Wiese gehen, dabei einsinken, den Saugeffekt bei jedem Schritt verspüren und nicht zuletzt die sumpfige Erde auf der Haut, die sich dort anlegt, bewusst spüren und nicht mehr sofort an „Schmutz“ denken.

Am besten kann man/frau solche Übungen an Orten machen, die fernab der hektischen Städte und Ortschaften in Beschaulichkeit auf sie warten. Sie müssen nicht auf hohe Berge steigen; ein mittleren Berg, der eine ungefährliche Route aufweist, langsam zu besteigen, ist ein besonderes Erlebnis. Da kann der Gipfelsieg Emotionen auslösen, von denen die Extrembergsteiger berichten, auch wenn in ihrem Falle noch andere Erfahrungen gemacht werden, wie die Nähe des Todes und der ständigen Gefahr ausgesetzt zu sein.   Zu erleben - das Gefühl sich Überwunden zu haben und den mühseligen Aufstieg geschafft zu haben, ist aber dem bewussten „leichten“ Gipfelsieg des Durchschnittsmenschen ganz ähnlich. Wenn sie das Glück haben und ihr Berg wird gerade nicht auch zur selben Zeit von anderen bestiegen, bekommen sie auch noch das Geschenk der Situation: Sie und der Berg allein. So eine Konstellation lässt die meditative In-sich-Kehrung und das Beobachten der inneren Vorgänge erst so richtig blühen. Sie werden sich fast automatisch hinsetzen, bequem und ruhig atmen, in die Weite schauen und vielleicht dem Ziehen der Wolken nachschauen. Sie hören, wie der Wind vorbei streicht und welche Geräusche er an den Felskanten, den bodennahen Pflanzen und am eigenen Ohr macht. Sie werden ins Tal blicken, und erkennen, wie klein alles von dort oben erscheint und wie anders es sich anfühlt, wenn man sich da seine eigenen Probleme und die der anderen vor Augen führt. Erleichterung und Linderung wird eintreten.  

Auch eine Wanderung in unseren Alpentälern, vor allem den Seitentälern, wo es nicht in touristische Zentren geht, kann ich sehr empfehlen. Zum Beispiel gibt es im salzburgischen Lungau etliche solcher Seitentäler. Ich war unlängst, wie der Winter grad noch nicht wiederkehrte im Göriachtal, das ab dem Ende der Asphaltstrasse, wo das Auto parkt, eine einmalig schöne und idyllische Wanderung in Richtung Talende bietet. Ein leichter Anstieg des Weges, was keine große physische Leistung fordert, auch Menschen mit wenig Kondition können dort mitgehen, und das Tal auf sich wirken lassen. Wir hatten das Glück, dass sich gerade außer meiner Freundin und mir niemand in diesem Tal aufhielt. Die Hütten waren noch nicht besetzt, der Almauftrieb stand noch bevor und so hatten wir urplötzlich das Gefühl von diesem Tal umfasst zu werden - wie in einem geschütztem Raum gehalten zu werden. Wir hörten auf zu sprechen, und verständigten uns  wortlos mit den Augen und mit spärlicher Körpersprache. Wir lauschten unseren Schritten auf dem sandigen und noch mit Schneeresten bedeckten Weg, wichen den eisglatten Stellen aus aber manchmal zerbarst die dünne Eisdecke unter unseren Schuhen mit diesem typischen Geräusch, und das darunter befindliche Wasser quoll hervor. All diese Geräusche verbanden sich mit dem Vogelgezwitscher, das manchmal auch wieder verstummte und das Geräusch das die Schwingen eines großen Greifvogel macht zeigte an, dass hier kleine Vögel in Deckung gegangen sind. Der Habicht schwebte über uns hinweg und beachtete uns gar nicht. Er setzte auf einem Pflock des Zaunes am Wegrand auf und schloss das Gefieder, alles dies nur wenige Meter von uns. Wir fühlten uns frei, und ein wenig auch von dem Vogel in sein Reich „aufgenommen“.

Wir waren plötzlich in einen andere Dimension der bewussten Erfahrung eingetreten und später werden wir uns berichten wie es uns da ergangen ist und feststellen wie ähnlich unsere Erfahrungen waren. Doch in dem Moment spürten wir Glück und vor allem das  Fehlen von Angst. Diese Angstlosigkeit ist ein sicheres Indiz dafür, dass wir unser Menschsein, denjenigen Zustand in dem wir alle von Anfang an gedacht sind näher kommen. Später setzten wir und auf eine Bank, ganz in der Nähe war eine kleine Brücke über die Ache und als wir uns dann - immer noch mit wortloser Verständigung - auf der Brücke an das Geländer lehnten und uns die Sonne einhüllte und ihre Wärme tief in unser Gemüt drang schien die Zeit stehen zubleiben und eine freudvolle Stille erfasste uns und vereinte uns ohne dass wir uns berühren mussten. Kann Leben nicht immer so einfach und glücksberauschend sein?

Ein weiterer Naturdom im Lungau ist der Ort wo die Mur entspringt. Der Zugang ist zwar nicht steil aber etwas lang. Je nachdem von wo aus man geht. Aber dieser Talabschluss , wo aus mächtigen Felsen die Mur entspringt hat etwas sehr Erhabenes. Wenn Sie Glück haben und Sie können diesen Ort einige Zeit allein erleben, werden Ihnen die Geister des reinen Wassers in der Meditation erscheinen. Wasser als unser wichtigster Lebenssaft und Träger aller Information wird dort ganz elementar erlebt.  

Sie können aber auch an Ihrem Urlaubsort, wenn sich dieser z. B. auf einer der Ferieninseln befindet, genauso einen Ort abseits finden, wo solche Erlebnisse  auf Sie warten. Sie müssen nur ein wenig die Landkarten studieren und werden sicher abgelegene Bereiche oder Nachbarinseln finden, die für den Massentourismus uninteressant sind.

Ich gebe Ihnen hier ein paar Beispiele:
Wenn Sie auf Lanzerote der Kanarischen Inseln urlauben, so machen Sie einen Besuch auf „La Graziosa“, einer kleinen Insel im Norden, die nur alle paar Stunden mit einem Fährschiff angesteuert wird. Wenn Sie genügend abenteuerlustig sind können Sie dort im Zelt am Strand übernachten. Eine überwältigende Erfahrung wartet, so nahe dem pulsierenden Nachtleben in absoluter Stille nur dem Rauschen des Meeres ausgesetzt den Himmel betrachtend mit sich oder den Liebsten zusammen sein, und plötzlich fühlen,  dass es ein wirkliches tiefes Zusammensein gibt, das niemand ausschließt und alles einschließt. In solchen Momenten wäre es unmöglich Streit und Hader zu beginnen und man erlebt das Gefühl der frühsten Kindheit wieder, das da heißt: „alles ist gut“. 

Oder wenn Sie auf Bali sind, versuchen Sie eine Überfahrt auf die Insel Lombock und meiden Sie auch dort die touristischen Wege. Abseits wird Ihnen eine ebenso schöne wie wilde Urwaldlandschaft begegnen. Wenn Sie in Australien urlauben oder besser reisen und sie haben genügend Zeit, so sollten Sie Tasmanien besuchen. Ab einer Woche können Sie diese ungemein unaustralische Insel im Süden erkunden. In Tasmanien war bis vor ca. 70 Jahre eine Tierrasse heimisch welche die Einheimischen als den „Tasmanischen Tiger“ bezeichneten. Ihm wurden magische Kräfte zugeschrieben und wurde natürlich bestens bejagt. So bestens, dass er wahrscheinlich vor 70 Jahren ausgerottet wurde. Allerdings gibt es nicht wenige Tasmanier, die daran glauben, dass er sich nur versteckt und wieder auftauchen wird. Wie es auch immer sei, allein die Schnurren über dem Tiger, über dem Sie überall stolpern werden, macht den Besuch wertvoll. Sie können fast auf der ganzen Insel gleich neben den Touristischen Zentren mit rein paar Schritten in der Einsamkeit sein. Besuchen Sie den Lake St. Claire  und gehen von dort auf einen der imposanten Berge, oder gehen Sie an den  kilometerlangen Strand an der Ostküste „waten“ oder laufen. 

Besonders möchte ich Ihnen aber die Insel Bruny Island empfehlen, wo Sie wirklich wenige Touristen finden werden und viel außergewöhnliche Natur. Von einsamen Stränden und Buchten, z.B. in Adventure Bay, wo schon Captain Blair mit der Bounty weilte. Sie finden dort auch ein eigenes Blair Museum. Und wenn Sie schon mal dort sind, besuchen Sie meinen Freund Justus Neumann, der seit 20 Jahren dort lebt und nur von Zeit zu Zeit nachhause nach Wien kommt um seinen Beruf als Schauspieler nicht zu verlernen, und richten Sie ihm herzliche Grüße von mir aus. Es gibt natürlich eine Unzahl an solchen „Orten der Stille“ und auch ich könnte Ihnen noch weitere in der Nähe oder der Entfernung beschreiben, aber Sie werden schließlich erkennen, dass Sie überall in Ihrer Nähe Orte finden, die Sie aus der Hektik führen und wo Sie ein Stück weit zu sich finden können. Selbst in der Großstadt gibt es diese Orte, wie die Wälder und Lichtungen des Wienerwaldes in Wien.  Sie werden mit der Zeit diese Orte richtig anziehen und Sie werden Ihnen von anderen näher gebracht. Die dazu nötige innere Verfassung können Sie sich langsam aneignen und alles weitere geschehen lassen. Sie werden sich an den heilsamsten Orten wieder finden und immer neue entdecken. 

Denn trotz des Massentourismus gibt es auf unserer Erde immer noch Plätze, die auf Menschen warten um ihnen eine Hauch von Eindruck zu vermitteln, wie es sich anfühlt, wenn man/frau verwoben mit der Umgebung ganz in ihr aufgehend, vertrauensvoll in die Mächte dessen, die uns das Leben gegeben  haben, den Puls des Lebens als höchstes Glücksgefühl erfahren.

Danke und Amen. 

Text: Dipl. Ing. Werner Vogl

ARCHITEKTUR UND GEOMANTIE  
A-3542 GFÖHL,  RUDWINGASSE 4/11

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