Ausgabe 100/Juli & August 2016


NaturPur
GÄNSEBLÜMCHEN
(Bellis perennis, Bellidis flos)

 

Für die meisten von uns, war wohl das Gänseblümchen die erste Begegnung mit einer Blume. So klein, zart und unscheinbar das Blümchen jetzt für uns als Erwachsene wirkt, so groß und wunderschön war es in unseren winzigen Kinderhänden. Ich selbst habe unzählige "Sträuße" gepflückt, Kränze geflochten und mich über unsere Boxerhündin Dolly amüsiert, die mit Vorliebe die Blütenköpfe abgebissen und verspeist hat. Später dienten die Blütenblätter als aussagekräftiges Orakel - bei "er liebt mich, er liebt mich nicht,...".  Das ein Gänseblümchen essbar ist, hat mir aber erst meine Kochlehrerin in der Schule beigebracht - jetzt würde ich sie als wissende Kräuterhexe bezeichnen - sie hat uns schon vor mehr als 25 Jahren eine Frühlingssuppe garniert mit Gänseblümchenblüten kochen und natürlich auch essen lassen.

Dem Gärtner ist das Gänseblümchen meist ein Dorn im Auge seines englischen Rasens, ist es doch so widerstandfähig, dass es jedem Rasenmäher trotzt und auch noch bei leichtem Frost erblüht. Gänseblümchen sind kaum los zu werden und wenn man an die Wirkung der Pflanze denkt, ist es wohl gut so, dass so mancher perfekte Gärtner immer wieder auf eine "Daisy" stößt.

Das Gänseblümchen hat unzählige Namen, sie reichen von Gänseliese, über Augenblümchen, Maßliebchen, Himmelsblume, Sonnentürchen bis zum Tausendschön und in England nennt man sie schlicht und einfach Daisy. Egal welche Bezeichnung man verwendet, es löst bei jedem von uns immer ein Gefühl der Freude aus - außer vielleicht bei besagtem Gärtner...

Das Gänseblümchen ist für viele nur eine Blume, für manche ein Unkraut und kaum jemand würde es als Heilkraut bezeichnen, schade, denn es trägt starke heilende Kräfte in sich. Die innewohnende Stärke dieser Pflanze drückt sich auch im lateinischen Namen "Bellis perennis" aus, was soviel wie "die immerwährende Schöne" heißt, sie strotzt nur so vor Strahlkraft und Fruchtbarkeit, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit.

Wie lange diese Blume schon unverändert auf unserer Erde vorkommt, zeigen die Überlieferungen und die Mythologie. Nach einer Legende nach entstand das Gänseblümchen aus den Tränen der Maria, die sie auf der Flucht nach Ägypten geweint haben soll, die rosa Spitzen an manchen Blütenblättern sollen vom Blut Jesus stammen, der sich an einem Dorn verletzt hat. Eine andere Geschichte besagt, dass das Blümchen leicht errötete, als es vom Jesuskind geküsst wurde. In anderen Überlieferungen waren es die Tränen der Helena bzw. die von Maria Magdalena am Grab Jesu Christi.  Bei den Germanen war es der Göttin Freya geweiht, als Symbol der Fruchtbarkeit und des Neubeginns, außerdem galt es als Zeichen für die Anwesenheit des Sonnengottes Baldur.  Die ersten Gänseblümchen des Frühlings erblühen an jenem Ort, wo die Frühlingsgöttin Ostara ihren Fuß zum ersten Mal in diesem Jahr auf die Erde setzt.

Natürlich ranken sich auch jede Menge magische Geschichten um das Gänseblümchen und seine Wirksamkeit. So sollen die drei ersten im Frühling gefundenen Gänseblümchen besondere Heilkräfte besitzen. Isst man diese, so bleibt man ein Jahr lang fieberfrei und wird im Sommer keinen Durst leiden.  Beißt man diese drei Blüten mit dem Mund direkt von der Pflanze ab, so sollen sie Magenbeschwerden vertreiben. Trocknet man ein paar Blüten, die man am Johannistag (24.6.) gepflückt hat und trägt man sie bei sich, soll jede Arbeit gelingen und jedes Geschäft funktionieren.

Im Mittelalter war die Blume ein wichtiges Heilkraut, es wurde bei Gicht, Rheuma, Husten, hohem Blutdruck, Leber- und Nierenproblemen, Hautkrankheiten und als Wundheilmittel eingesetzt. Hildegard von Bingen sagt dazu: "Für einen gesunden Menschen ist es gut zu essen, weil es das gute Blut in ihm vermehrt und einen klaren Verstand bereitet. Aber auch den Kranken bringt es wieder zu Kräften. Es macht seine Augen klar."

Botanisch gesehen, gehört das Tausendschön zu den mehrjährigen Korbblütlern, wächst in jedem Boden und liebt die direkte Sonne, es kann bis zu 20cm groß werden und verfolgt mit seinem Köpfchen den Sonnenlauf. Es wendet den Kopf also immer zur Sonne und senkt ihn, wenn es regnet oder Nacht wird. Abends kann man beobachten, wie sich die Blütenköpfe schließen und nach unten neigen. Es vermehrt sich durch Samen und blüht ab April, bis in den späten Herbst. Sammeln kann man es den gesamten Sommer lang. Hauptsächlich werden die Blütenköpfe verwendet, man kann aber auch die Blätter für bestimmte Anwendungen einsetzen.

Aufgrund seines hohen Gehalts an Saponin wirkt ein Gänseblümchentee oder eine -tinktur gegen Frühjahrsmüdigkeit und auch gegen die typisch bei Jahreszeitenwechsel auftretenden Erkältungen und Verdauungsbeschwerden. Vor allem festsitzender Husten wird durch einen Gänseblümchentee oder Gänseblümchenhonig gut gelindert und geheilt, ebenso können Magenprobleme behandelt werden. Durch die Einnahme von Gänseblümchen , in Form von Tee, Honig oder einer Tinktur, werden Leber, Galle, Verdauung und der gesamte Stoffwechsel angeregt. Vor allem der Tee wirkt vitalisierend und blutreinigend. Vorsicht ist allerdings bei Verstopfung geboten, denn die enthaltenen Gerbstoffe wirken stopfend!

Bei Kindern wirkt vor allem Gänseblümchentee sehr stärkend und aufbauend. Vor allem wenn es ein eher schwächliches Kind ist, das oft krank ist und nicht richtig wachsen will, profitiert von diesem Blümchen.

Äußerlich helfen Wickel oder Einreibungen mit Tee, einer Tinktur oder dem frisch gepressten Saft der Gänseblümchen. Bei Hauterkrankungen lindern Umschläge, Bäder oder Waschungen die Symptome. Natürlich kann man die Tinktur auch zu einer Salbe verarbeiten oder auch ein Öl daraus zaubern, diese vertreiben rheumatische Gliederschmerzen, helfen bei Gichtanfällen oder auch bei stumpfen Verletzungen des Bewegungsapparates, ebenso bei Blutergüssen und diversen Entzündungen. Der frisch gepresste Pflanzensaft oder der Brei der zerriebenen Pflanze wirkt wahre Wunder bei Hautverletzungen und sorgt dafür das sogar Fieberblasen schneller abheilen.

Eine Kombination einer Teekur mit kühlen Umschlägen aus Gänseblümchen lässt sogar Ödeme verschwinden.
 

In der Homöopathie verwendet man Bellis perennis (D4/D6/D12) bei Augenschwäche, besonders bei der Behandlung des linken Auges. Es hat sich aber auch als Mittel bei Verletzungen bewährt -  bei inneren (Prellungen, Verstauchungen), sowie bei äußeren (Hautkrankheiten)  Es ist Arnica montana sehr ähnlich.

Da die Blümchen auch einen hohen Vitamin C Gehalt aufweisen und sogar lecker schmecken, bereichern sie auch unsere Speisen. Einfach mal einen Salat mit Gänseblümchenblüten aufpeppen, eine Suppe verschönern oder auch ein Brötchen damit garnieren.

Das Gänseblümchen ist also eine wirkungsvolle Heilpflanze, die fast jederzeit griffbereit ist, wenn man draußen in der Natur ist. Ein praktischer Tipp: Wird man draußen von Insekten gestochen oder gebissen, oder greift in eine Brennessel, zur Heilung nimmt man ein Gänseblümchen (Blätter und Blüten), zerreibt die Pflanzenteile zwischen den Finger so gut es geht und streicht die Paste auf die verletzte Hautstelle. Es lindernd den Juckreiz, wirkt abschwellend und vertreibt den Schmerz. Diesen Pflanzenbrei kann man auch in größerem Ausmaß bei Prellungen oder Schürfwunden verwenden, vorausgesetzt man reagiert nicht allergisch - dies sollte man vor dem Ernstfall einmal mit einer kleinen Menge Pflanzenbrei überprüfen.

Auf unsere Psyche hat die "immerwährende Schönheit" eine aufhellende, erheiternde Wirkung und richtet uns wieder auf. Sie verleiht uns ihre Stärke, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit und hilft uns nach schweren Krankheiten oder Schicksalsschlägen wieder das Leben zu genießen und die Lebensfreude zu finden. Kindern hilft das Gänseblümchen bei familiären Konflikten, es gibt den Kleinen seelischen Schutz und ist heilsam bei Konzentrations- und Lernschwierigkeiten, sowie beim Bettnässen. Jungen Erwachsenen hilft es auf eigenen Beinen zu stehen und sich vom Elternhaus abzunabeln.


Wie bei allen Heilkräutern muss man den Tee über einen gewissen Zeitraum trinken, damit er seine volle Heilkraft entfalten kann. Nach einer durchgehenden Einnahme über einen Zeitraum von 6 Wochen, sollte man dann allerdings eine Pause von ebenfalls sechs Wochen einlegen, in der man den Tee eines ähnliche wirkenden Krauts trinkt.

Hier noch einige Rezepte für die Kräuterhexen unter uns:

Trocknen:  frische Blütenköpfe sammeln und im lichten Schatten trocknen, zwischendurch öfter wenden, damit die Pflanzenteile gleichmäßig durchtrocknen. In einem verschlossenen Glas aufbewahren.

Honig: Für ein Glas mit 250ml Volumen benötigt man eine große Handvoll Blütenköpfe. Das Glas abwechselnd mit frischen Blütenköpfen und Honig anfüllen, gut verschließen. 21 Tage an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahren, danach die Blüten aus dem Honig filtern. Den Honig wieder gut verschließen. Bei Husten nimmt man tägl. 3-4 Teelöffel pur oder gibt ihn in den Tee. Honig wirkt auch sehr heilsam bei Hautverletzungen.

Tee: ca. zwei Teelöffel getrocknete Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und in kleinen Schlucken trinken. Bei starken Beschwerden sollte man 2-3 Tassen pro Tag trinken. Natürlich kann man diesen Tee auch mit anderen Kräutern kombinieren - je nach Beschwerde.  Für äußerliche Anwendungen lässt man den Tee abkühlen und macht einen Wickel damit oder gibt ihn als Zusatz ins Badewasser. Als Gesichtswasser verwendet, lindert der Tee Hautunreinheiten.

Tinktur: Für ein Glas mit 250ml Volumen benötigt man zwei große Handvoll Blütenköpfe und guten Alkohol, viele nehmen klaren Schnaps oder Weingeist, nach meiner Erfahrung eignet sich Cognac auch sehr gut zur Tinkturherstellung. Die Blüten in ein Glas geben und mit Alkohol übergießen, bis alles bedeckt ist, bzw. bis das Glas voll ist - gut verschließen und 3-6 Wochen an einem dunklen, kühlen Ort ziehen lassen. Danach die Blüten abseihen und die Tinktur in dunkle Fläschchen abfüllen.

Öl: 1 Glas zu 2/3 voll mit getrockneten Blütenköpfchen anfüllen und Öl (kalt gepresstes Olivenöl, oder jedes andere neutrale Öl) dazu geben, bis alles bedeckt ist. Das Glas gut verschließen und an einem warmen Ort ziehen lassen. nach 3-4 Wochen die Blüten abseihen und in dunkle Flaschen abfüllen, kühl und dunkel lagern.

Salbe (einfache Fettsalbe): 40ml Gänseblümchenöl, 2gr Bienenwachs, 10g Sheabutter, evtl. ein paar Tropfen äth. Öl (nach Belieben). In einer kleinen Schüssel das Bienenwachs im Öl über dem Wasserbad schmelzen. Sobald das Bienenwachs mit dem Öl verbunden ist, Schüssel (Wasserbad) vom Herd nehmen und unter ständigem Rühren die Sheabutter und auch evtl. ein paar Tropfen äth. Öl hinzufügen. Sobald alles gut miteinander vermischt ist, in Salbentigel füllen und ganz auskühlen lassen. Wer die Salbe fester will, muss mehr Bienenwachs hinzufügen.

Anwendungsgebiete:

  • Husten, Erkältungen, Atemwegserkrankungen

  • Appetitlosigkeit, Magenprobleme

  • Darmentzündungen (Durchfall)

  • Gicht, Rheuma

  • Verletzungen (Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen...)

  • Hautverletzungen (Schnitte, Schürfungen, Insektenbisse, -stiche)

  • Hauterkrankungen (Ekzeme, Ausschlag, Akne)

  • Nierensteine, Blasensteine

  • Menstruationsbeschwerden (Stockende Regelblutung)

  • stärkt die Gebärmutter nach einer Geburt

Wirkung:

  • blutreinigend

  • blutstillend

  • entzündungshemmend

  • harntreibend

  • krampfstillend

  • schmerzstillend

  • schleimlösend

 

Text: Sabine Miksu

(Quellen: Neben gesammeltem Eigenwissen, wurden Informationen aus folgenden Büchern für diesen Artikel verwendet: Das große Buch der Heilpflanzen von Apotheker M. Pahlow, Meine Salbenküche von Monika Fritz)

[Die hier enthaltenen Aussagen basieren auf subjektiven Erfahrungen, die keinen Anspruch erheben, nach schulwissenschaftlichen Erkenntnissen gesichert zu sein. Eine Heilwirkung wird nicht versprochen. Die Anwendung erfolgt in Eigenverantwortung.]


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