LICHTBOTE :: INFO
Ersterscheinung: Mai 2013

Lebst du schon,
oder funktionierst du nur?
 

Wenn ich mich in meinem Umfeld so umhöre, gibt es kaum einen Menschen der rundum zufrieden und glücklich ist und vom "Leben" in Ruhe gelassen wird. Viele sind mit unangenehmen Belastungen und heftigen Problemen konfrontiert, egal ob es sich hier um körperliche Erkrankungen, alte seelische Wunden, emotionale Verletzungen, Beziehungsstress, finanzielle Engpässe oder um Mobbing am Arbeitsplatz handelt, die Herausforderungen scheinen derzeit so mächtig zu sein, dass man gar nicht mehr weiß, wo man mit dem Lösen anfangen soll.

Orientierungs- und Ziellosigkeit machen sich breit und wir funktionieren nur noch um das System aufrecht zu erhalten. Kaum einer nimmt sich Zeit, um seine jetzige Lage zu sondieren, darüber nachzudenken, wo er steht oder wohin es gehen soll. Wir sind in einem Netz von selbstauferlegten Verpflichtungen gefangen, das uns natürlich sofort jegliche Ausreden liefert, die Dinge, die uns gut tun, nicht zu tun.

Es bleibt keine Zeit um uns mit uns selbst zu befassen, weil wir einfach zu beschäftigt sind. Wir haben am Ende des Tages zuwenig Energie übrig, um unsere Gefühle zu ergründen und da ist schon der nächste Haken, denn in unserer Gefühlswelt würden wir vielleicht so manches entdecken, das uns zum Handeln zwingen würde, dort würden wir erkennen, dass alles in uns nach einer grundlegenden Veränderung schreit.  


Doch was tun wir? Wir sitzen in einem fremd gesteuerten Boot und lassen uns mit der breiten Masse treiben, halten alle Funktionen aufrecht, kümmern uns um alles, außer um uns selbst.  Ja, wir sind Verantwortungs- und Pflichtbewusst, aber immer nur den anderen gegenüber, wir selbst bleiben auf der Strecke. Wir halten alle Systeme am Leben und arbeiten dabei permanent gegen uns selbst. Es scheint fast so, als ob wir nur dann etwas Wert wären, wenn wir uns um andere kümmern, denn nicht umsonst wird man sofort als Egoist abgestempelt, sobald man aus der Reihe tanzt und wirklich zuerst mal seine eigenen Interessen verfolgt. Doch dieses gesellschaftliche Bild ist falsch und tief in unserem Inneren wissen wir das auch.

Aber warum ändern wir es nicht? Dafür gibt es wahrscheinlich unzählige Theorien und die Ursache ist wohl bei jedem eine andere, die es persönlich zu ergründen gilt. Selbst wenn wir den wahren Grund nicht kennen, können wir uns doch von diesen selbstauferlegten Pflichten befreien und endlich mal liebevoll und fürsorglich zu uns selbst sein, die Strenge und Erwartungen uns gegenüber ablegen und endlich mal was für unseren persönlichen Genuss tun. Vielleicht sollte nicht immer alles radikal geschehen, ich denke Veränderung in kleinen Dosen ist hier angebrachter. Wir sollten an einem Punkt beginnen und nicht gleich das gesamte Leben in einem Aufwasch ändern. Fangen wir dort an, wo Veränderung am leichtesten fällt, dann hat man auch gleich ein Erfolgserlebnis, wenn's geklappt hat. Sprich wir arbeiten uns Schritt für Schritt in Richtung transformierten Zustand, denn wenn wir gleich alles auf den Kopf stellen, ist die Gefahr des Scheiterns viel größer, dann wird kapituliert und wir finden uns ziemlich schnell wieder in unserem alten Trott wieder.

Step by step also, wir können auch sagen, der Weg ist das Ziel und damit können wir auch gleich beginnen, nämlich den Weg zu gehen!

Weiß man so gar nicht wo man anfangen soll, hilft es immer eine Liste zu schreiben, mit den Dingen die stören oder nach Veränderung schreien und mit den Wünschen und Sehnsüchten, die uns auf der Seele brennen. Dann nimmt man sich das kleinste Problem, sowie den erfüllbarsten Wunsch vor und fängt an die Liste "abzuarbeiten". Sind erst mal ein paar Hürden gemeistert und gleichzeitig einige Wünsche erfüllt, wird das Lebensgefühl gleich besser werden, Energie kann sich wieder aufbauen, die Einstellung ändert sich und auch der Zugang zu den eigenen Gefühlen wird leichter fallen. Manchmal ist es auch ganz hilfreich eine Liste mit allen Verpflichtungen zu erstellen - meist fällt einem gar nicht alles auf einmal ein, deshalb sollte man die Liste einige Tage liegen lassen und immer wieder ergänzen - hat man dann alle Verpflichtungen auf einem Blick vor sich liegen, ist man meist entsetzt wieviel man sich aufgebürdet hat und vor allem, wie viel man davon für andere tut... nach dieser Erkenntnis fällt es relativ leicht mit dem Streichen der unnötigsten zu beginnen. Es befreit ungemein!

Klappt es trotz zahlreicher Bemühungen dann doch nicht einen neuen Weg einzuschlagen und werden einem diverse Knüppel vor die Beine geworfen, so sollte man doch ganz genau hinschauen und hinterfragen, warum das so ist. Entweder war die Richtung falsch, oder es besteht ein Glaubensatz der besagt, dass es mir einfach nicht gut gehen darf oder dass Veränderungen schlecht sind. Wie schon gesagt, es kann viele Ursachen haben, warum wir keine Änderungen zulassen können.

Um sich selbst zu finden gibt es zahlreiche Varianten, eine der günstigsten ist längere Strecken zu gehen, in der Natur vorzugsweise und wenn möglich sogar allein oder zumindest die meiste Zeit schweigend. Natürlich kann man auch im Wohnzimmer eine kleine Gehmeditation machen, das bringt auch schon viel, aber für unseren Körper ist es eine Wohltat, wenn wir uns in angenehmen Tempo durch die Natur bewegen, die Schönheit um uns herum erkennen und unserer Seele tut's gut, wenn wir mal abschalten und uns um unsere persönlichen Belange kümmern. Dafür muss man jetzt auch nicht sofort auf dem Jakobsweg pilgern, es reicht vollkommen, sich ein schönes Platzerl zum Wandern zu suchen, vielleicht eines, das nicht gerade ein touristisches Massenziel ist. Wichtig ist, dass wir ein bisschen abschalten können, weg vom Trubel und den vielen Ablenkungen sind, denn durch den ständigen Alltagslärm, können wir unsere innere Stimme gar nicht mehr hören - wahrscheinlich ist sie schon ganz heiser, weil sie immer so laut schreien muss... Wenn wir in die Stille gehen, können wir sie bald wieder hören und sie hat uns sicherlich so einiges zu erzählen!

Verantwortung für sich selbst übernehmen, sich selbst als den wichtigsten Menschen sehen, seinen Körper als Tempel der eigenen Seele betrachten und endlich erkennen, dass wir selbst das Leben steuern können. Wenn wir diese wenigen Dinge beherzigen, sollte es uns auch in dieser turbulenten Zeit gelingen, das Leben zu genießen und so etwas wie Glück, Liebe und Zufriedenheit zu empfinden.

 

Text: Sabine Miksu

 

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