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Erst-Erscheinung: September 2013

Keltische Jahresfeste

Viele unserer traditionellen Fest- und Feiertage finden ihren Ursprung in der keltischen/nordischen Mythologie – die meisten Feste wurden von der katholischen Kirche so angepasst, dass sie nicht mehr als heidnische Rituale galten und auch weiterhin gefeiert werden durften. All diese Feiertage sind wichtige Punkte im Jahresverlauf und sollten von uns auch bewusst begangen werden – zumindest mit einem kleinen Ritual oder einer Andacht.
 

MABON / Herbst TagNachtGleiche (21./22./23. September)
[Herbstäquinoktikum - Erntedank - Alban Elued/Alban Elved]

Das keltische Sonnenfest hat viele Bezeichnungen, doch egal welchen Namen man verwendet, wir sind an einem Punkt im Jahr angekommen, an dem wir eine weitere Schwelle überschreiten, die Nächte werden ab sofort wieder länger und läuten die Jahresdämmerung ein. An Mabon sind Tag und Nacht exakt gleich lang, sie halten sich die Waage, laden uns ein diese Balance in unser Leben zu lassen, bevor der Wendepunkt überschritten wird. Der Ursprung des Namen "Mabon" ist ungewiss, daher gibt es viele verschiedene Auslegungen dazu - letztendlich ist es aber egal wie man diesen Zeitpunkt tauft - wichtiger ist es das Fest zu feiern!

An welchem Tag genau das Herbstäquinoktikum (lat. aequus "gleich" und nox "Nacht") stattfindet, kann man am aktuellen Kalender ablesen - 2017 ist es der 22. September an dem die Sonne um 22:02 Uhr durch den Herbstpunkt läuft und den Himmelsäquator Richtung Süden überschreitet. Ab diesem Zeitpunkt ist die Südhalbkugel der Sonne zugewendet.


Mit dem Herbstbeginn verabschieden wir uns vom Sommer und bereiten uns auf einen neuen Zeitabschnitt im Jahreszyklus vor. Die Natur schenkt uns ihre Früchte und schmückt sich mit ihrem farbenfrohen Blätterkleid, ein letztes Feiern des erfolgreichen Wachstums, alles ist gereift und bereit sich von uns bis zum nächsten Frühjahr zu verabschieden, bevor sie ihren Winterschlaf beginnt.

 

Wir haben größtenteils verlernt, uns am Rhythmus der Natur zu orientieren, langsam beginnt man allerdings wieder sich daran zu erinnern, dass die Natur der größte Lehrmeister und Wegweiser überhaupt ist. Als Mensch sollten wir ebenfalls die natürlichen Zyklen durchleben, darauf achten, was uns die Natur vorgibt und die herrschende Energie auf- und annehmen. Während das Frühjahr uns großes Potential an Wachstum und Neubeginn schenkt, uns der Sommer Freude und Leichtigkeit vermittelt, sollte uns der Herbst Dankbarkeit und Fülle lehren, bis wir den Winter als Erholungsphase nützen können um im Frühjahr wieder bereit für Neues zu sein.

 

Zu Herbstbeginn dreht sich alles um Erntedank und die damit verbundenen Feste, wir können die Fülle spüren, die uns umgibt und dankbar für alles sein, womit wir versorgt werden. Es ist die Zeit des Sammelns, des Einlagerns, des Aufnehmens - wir tanken in der angenehmen Herbstsonne Licht und Wärme für die dunkle Jahreszeit und bereiten uns auf den Rückzug der Natur vor. Der Abschied sollte aber nicht von Trauer überschattet werden, sondern freudig in Erinnerung an die schönen Sommerstunden dankbar gefeiert werden. Auch unsere Aufmerksamkeit wird nun mehr und mehr nach Innen gelenkt, wir besinnen uns wieder auf das Wesentliche und können nun das Jahr Revue passieren lassen. Prüfen, wie die letzten Monate verlaufen sind, die guten und auch die schlechten Ereignisse betrachten und dankbar annehmen. Reflektieren was erledigt wurde bzw. was vielleicht noch ansteht, denn noch ist das Jahr nicht um, wir haben genügend Zeit um die Dinge noch zurecht zu rücken und abzuschließen. Denn jetzt ist der richtige Moment um zu beenden, abzuschließen und loszulassen.

 

An Mabon kann man deutlich spüren, dass man an einem Wendepunkt steht, es ist sozusagen der Sonnenuntergang des Jahres und sobald man die Schwelle übertritt, taucht man in die Dunkelheit ein, vor der sich manche doch ziemlich fürchten. Während der Sommer die Herausforderungen leichter erscheinen lässt, macht uns der Winter Angst, da er uns auffordert in die eigenen Tiefen zu blicken. Ein weiterer Punkt, der uns immer wieder Angst macht ist, dass der Tod in der dunklen Jahreszeit allgegenwärtig ist, denn die Natur stirbt und zieht sich zurück, man spürt eine unangenehme Schwere und ist konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit. Ein Grund mehr, dankbar für alles zu sein, was man bis jetzt erlebt hat und das anzugehen, was man noch unbedingt erledigen möchte. Vielleicht ist es auch Zeit sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen, damit es seinen Schrecken verliert und wenn wir uns an der Natur orientieren, erkennen wir, dass wir uns in einem ewigen harmonischen Kreislauf von "Geburt - Wachsen - Reifen - Sterben - Geburt" befinden, da sie nach jedem Winterschlaf wieder zum Leben erwacht. Es geht darum sich Ruhephasen zu gönnen und einen Ausgleich zu schaffen. 

 

Dieses Schwellenfest soll in uns keine Ängste schüren, sondern uns ins Gleichgewicht bringen - eine Balance in uns schaffen zwischen hell und dunkel, Licht und Schatten, uns bewusst machen, dass alle Seiten in unser Leben gehören. Nur durch dieses Gleichgewicht können die Dinge harmonisch sein, wie es uns auch das Sternzeichen Waage symbolisiert, das "zufällig" jetzt beginnt.

 

Unsere Vorfahren feierten die Erntedankfeste ausgelassen, brachten verschiedene Opfer und baten die Götter um Unterstützung, damit sie den Winter gut überstehen. Sie dankten der Natur und den Göttern für die reiche Ernte, mit der Bitte, dass das nächste Jahr wieder viele Gaben für sie bereit halten möge.

 

Auch wir sollten uns bei der Natur, der Erde, ihren Wesen und der geistigen Welt bedanken, für alle Gaben, die wir in diesem Jahr erhalten haben, für alle Lernaufgaben, Begegnungen, Ereignisse, Vorfälle, Erkenntnisse, Probleme, Herausforderungen, Lösungen, usw.

 

Mabon ist ein Fest der Fülle und da es uns kaum an etwas Essentiellen fehlt, sollten wir uns dieser Fülle bewusst werden und sie auch mit anderen teilen. Ein schönes Ritual für diesen Zeitraum sind gemeinsame Essen mit Freunden, der Familie oder mit Kollegen - teilt eure Schätze, die in euren Gärten gewachsen sind, kocht gemeinsam Marmelade ein oder verschenkt sie als liebevolle Gabe - wir haben wirklich reichlich zu essen und müssen keine Angst haben, dass uns die Vorräte im Winter ausgehen.

 

Alle Rituale in Richtung "Fülle und innerer Reichtum" sind an diesem Tag sehr wirkungsvoll, allerdings auch Themen wie Reflektion, Rückbesinnung und allen voran natürlich "Gleichgewicht". Alle Übungen, die für unsere Balance förderlich sind, können gemacht werden, auch wenn es so banale Dinge sind, wie auf einem Bein stehen... Außerdem wäre es gut sich damit auseinanderzusetzen, was im eigenen Leben fehlt oder was man vernachlässigt um ins Gleichgewicht zu kommen. Wer ewig auf Hochtouren läuft, braucht auch Ruhephasen - Anspannung erfordert Entspannung usw... Interessant ist auch die Erkenntnis was oder wer uns aus dem Gleichgewicht bringt....

 

Reflektieren wir das Jahr, ziehen wir Bilanz und stellen wir uns selbst ein paar Fragen, damit wir Verschiedenes korrigieren, loslassen bzw. abschließen können:

  • Wie war mein Jahr bis jetzt?

  • Welche Früchte konnte ich ernten?

  • Habe ich überhaupt Samen gesät, wenn ja welche und sind sie herangereift oder liegen sie noch unberührt herum?

  • Was habe ich in diesem Jahr genährt?

  • Wo lag meine Aufmerksamkeit?

  • Welche Herausforderungen habe ich gemeistert?

  • Was kann ich loslassen, verabschieden?

  • Welche Dinge möchte ich verbessern?

  • Welche Themen belasten mich nach wie vor?

Egal welche Rituale ihr zu Mabon durchführt und auf welche Themen ihr stößt, seid dankbar für alles und lobt euch für euer Durchhaltevermögen, für eure Tatkraft, für euer Mensch-Sein! Umgebt euch mit den Farben des Herbstes, taucht tief in die Farbenpracht aus warmen Rot/Orangetönen und verbindet euch mit der Erde und der Sonne - denn ich finde, dass man beiden Mabon widmen sollte, weil sie uns gemeinsam nähren und versorgen. Tankt Kraft und Licht, damit ihr es an den dunklen Tagen in euch wieder aufleben lassen könnt.

 

Text: Sabine Miksu
 

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