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Ersterscheinung: Juli & August 2015

Keltische Jahresfeste

Viele unserer traditionellen Fest- und Feiertage finden ihren Ursprung in der keltischen/nordischen Mythologie – die meisten Feste wurden von der katholischen Kirche so angepasst, dass sie nicht mehr als heidnische Rituale galten und auch weiterhin gefeiert werden durften. All diese Feiertage sind wichtige Punkte im Jahresverlauf und sollten von uns auch bewusst begangen werden – zumindest mit einem kleinen Ritual oder einer Andacht.
 

Lughnasadh (2. August)
[Hochzeit des Lichts - Lammas - Schnitterfest - Brón Trogain („Trauer um Trogain“) - Kräuterweihe]

Lughnasadh (Luu-na-sah) ist keltischen Ursprungs und bedeutet soviel wie "Hochzeit des Lichts", es gehört zu den Mondfesten und wird zum 8. Vollmond gefeiert, der den Beginn der Ernte markiert. Es war für die Kelten wiedermal Zeit zu feiern, es wurde geschlachtet, viel gegessen und getrunken, gesungen und getanzt. Wettkämpfe wurden ausgetragen und ein Feuer entzündet, in dem man Kornpuppen opferte.

Man hatte genug Anlass für dieses ausgelassene Fest, denn eine Zeit der Fülle und des Wohlstandes stand unmittelbar bevor. Die reiche Ernte konnte eingebracht und die Vorratskammern gefüllt werden.

Es ist das erste Erntedankfest im Jahreskreis, wo man sich in erster Linie bei Lugh, dem keltischen Korngott bedankt. Der Korngott stirbt mit dem ersten Schnitt des Korns und kehrt bis zum nächsten Frühjahr zurück in sein Reich. Zum Dank und als gutes Omen für's nächste Jahr, lässt man auf dem Feld traditionell ein paar Ähren stehen.

Moderne Namen des Festes sind Lammas - die "hlafmesse" (=Laibmesse) - sowie das christliche Fest Petri Kettenfeier, wo das erste Brot der neuen Ernte gesegnet und geweiht wurde. Es gibt aber noch ein christliches Fest, das mit diesen Feierlichkeiten zu tun hat: Maria Himmelfahrt, an diesem Tag werden in den Kirchen traditionell Kräuterbündel geweiht, die Haus und Hof schützen sollen.

Erntet man Kräuter an Lughnasadh, zB. um sie zu trocknen, behalten sie lange ihre immense Wirkkraft und ihre heilenden Eigenschaften. Das Schnitterfest ist also der beste Tag für die Kräuterernte - ein Tipp: Kräuter in der Früh ernten, da enthalten sie die größte Energie!


Das Fest symbolisiert den Höhepunkt des Sommers, alles reift heran, die ersten Früchte sind längst gepflückt und nun wird das Korn bald geerntet, manchmal ein Wettlauf mit der Zeit, wann ist es reif, wie lange hält das Wetter - es weist uns auch auf den "richtigen" Zeitpunkt hin! Wann ist es für uns an der Zeit unsere eigenen Früchte zu ernten? Im Frühjahr haben wir viele Samen gesät, Projekte gestartet, uns Ziele gesetzt. Vielleicht sollten wir jetzt mal genauer hinschauen, wie reif unsere Früchte schon sind. 

Es geht aber auch um die Akzeptanz des Todes, um den Kreislauf des Lebens, denn auch wenn wir oft nur das Töten der Tiere bewusst wahr nehmen, so opfern sich genauso die Pflanzen für uns und das tun sie Jahr für Jahr, immer wieder. Es ist der Lebenszyklus, die Geburt, das Heranwachsen, das Reifen, die Ernte, der Tod, die Wiedergeburt. Denn das was Herangereift ist, trägt bereits die Früchte für das nächste Jahr in sich. So sollten wir doch viel bewusster, liebevoller und dankbarer mit unserer Natur umgehen - schaut euch um, die Natur beschenkt uns mit reichen Gaben - wenn man's genau nimmt, tut sie das ohne eine Gegenleistung von uns zu erwarten.

Aus diesem Grund haben unsere Ahnen den Göttern und der Natur Opfer gebracht, hatten Respekt und eine tiefe Dankbarkeit für alle Gaben, die sie für uns bereit hält. Wir müssen keine großen Opfer bringen, doch unserer großen Mutter Erde könnten wir doch ein wenig mehr Respekt erweisen und Dankbarkeit entgegen bringen.

Lughnasadh ist dafür perfekt geeignet. Geht mit offenen Augen aus dem Haus, raus in die Natur, schaut euch um, betrachtet die reifen Felder, die schwer mit Früchten beladenen Obstbäume, backt Brot, kocht Marmelade ein oder/und trocknet Kräuter. Alles was ihr jetzt aus der Natur holt, wird euch in der dunklen, kalten Jahreszeit an die schönen Tage im Sommer erinnern und euch nähren, nicht nur mit Kalorien, sondern auch mit der gespeicherten Energie der Sommersonne (=HOCHzeit des Lichts).

Vielleicht kannst du rund um dieses Fest einen kleinen Spaziergang durch ein Feld machen, oder auch rundherum gehen ;) - die reifen Ähren betrachten und dir eine handvoll Korn mitnehmen, dieses Korn beinhaltet so viel Lebenskraft, lass dich einfach von deiner Intuition leiten und verwende es so, wie du es für richtig hältst - du kannst es mahlen und Brot backen, es dem Feuer opfern, es als Glücksbringer bis zur nächsten Ernte im kommenden Jahr aufheben, oder der Natur zurückgeben, z.B als Vogelfutter... Tu das damit, was dir dein Herz sagt - dann gibt es kein richtig oder falsch.

Wenn du ein richtiges Fest ausrichten möchtest, dann sollte es mit vielen Freunden gefeiert werden. Voller Dankbarkeit, aber vor allem mit viel Lebensfreude! Ihr könnt gemeinsam das Festessen vorbereiten, vielleicht sogar selbst Fruchtsäfte pressen oder auch gemeinsam Marmelade einkochen (und jeder nimmt ein Glaserl mit heim) oder auch Brot backen, ihr könnt auch gemeinsam Kräuter ernten und Kräuterbündel binden, was immer euch Spaß macht! Segnet euer Essen, deckt den Tisch mit frischen Sommerblumen und Weizenhalmen und genießt eure gemeinsame Zeit!

 Ich wünsche eine hervorragende Ernte!

 

Text: Sabine Miksu
 

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