Ausgabe 53/ April 2012

Hildegard von Bingen
 

Hildegard von Bingen ist mittlerweile zu einer regelrechten Marke geworden, es gibt Hildegard Kekse, Suppen, Tees, Kräuter, Magazine, Heilsteine usw... Sie steht mit ihrem Namen für eine gesunde, ausgeglichene Lebensweise. Doch wer weiß wirklich Bescheid über diese außergewöhnliche Frau und warum ist, so viele Jahrhunderte nach ihrem Leben, ihr Gedankengut plötzlich so populär und zeitgemäß?

Hildegard wurde im Jahre 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild, auf deren Herrensitz in der Nähe von Alzey, im heutigen Rheinhessen, geboren. Schon bei ihrer Geburt hatten die Eltern das Klosterleben für ihre Tochter beschlossen, sozusagen als "freiwillige Opfergabe für Gott". Hildegard lehnte sich nie gegen diesen Beschluss auf, da sie bereits als dreijährige Visionen hatte und sie das geistliche Leben als ihre Bestimmung ansah.

Mit acht Jahren zog sie als Schülerin in die Klausnerinnenzelle auf den Disibodenberg, zu Jutta von Spanberg, einer reichen, wie schönen Frau, die sich aus eigenem Entschluss für dieses Leben entschieden hatte. Als junges Mädchen legte sie die Ordensgelübde ab und wurde Benediktinernonne. Von nun an hieß es "Ora et labora" (Bete und arbeite), was sie ihr Leben lang befolgte.

Ihr Wissen und ihre Bildung verdankte sie dem Mönch Volmar, der ihr Beichtvater, Vertrauter und später auch Sekretär war, und ihrer überragenden Begabung, die sie durch eigene Beobachtungen und Forschungen ergänzte.

Im Jahr 1136 starb die Klostervorsteherin Jutta von Spanheim und Hildegard übernahm, nach anfänglichem Sträuben, das verantwortungsvolle Amt. 

Ihre großen Visionen begannen 1141, die sie mit Hilfe des Mönchs Volmar und der Nonne Richardis niederschrieb. Der göttliche Befehl lautete: "Tu kund die Wunder, die du erfährst. Schreibe sie auf und sprich." Fünf Jahre arbeiteten die drei gemeinsam an dem Werk "Scivias" (Wisse die Wege).
Papst Eugen III ermutigte Hildegard 1147 weiter zu schreiben, mittlerweile waren Hunderte Kirchenvertreter von ihrem Werk begeistert, was Hildegard Anerkennung und Ruhm verschaffte. Dies hatte zur Folge, dass immer mehr Bewerberinnen für ihr Kloster eintrafen und schon bald die Räumlichkeiten zu klein wurden. Mit Hilfe von mehreren Adelsfamilien gründete Hildegard ihr eigenes Kloster auf dem Rupertsberg. Trotz schwerer Krankheiten kämpfte sie hart für ihr Kloster und fand in Friedrich Barbarossa einen weltlichen Schutzherrn, der ihr Frauenkloster militärisch vor Übergriffen sicherte.

In den Jahren 1151 bis 1158 schrieb sie ihr medizinisches und naturwissenschaftliches Wissen nieder, ihre Werke "Causae et Curae" (Ursache und Heilung) und "Physica" entstanden. Hildegard verstand sich darin Kosmos und Mikrokosmos zu verbinden. So begann sie auch ihr Buch über die Heilkunde mit der Schöpfungsgeschichte und schreibt folgendes im Abschnitt über die Elemente: "Gott erschuf auch die Elemente der Welt. Diese sind auch im Menschen und der Mensch wirkt in ihnen. Sie sind das Feuer, die Luft, das Wasser und die Erde." Immer wieder weist Hildegard in ihrem Werk darauf hin, wie wichtig das Zusammenwirken von Seele und Körper ist und dass das eine ohne dem anderen nicht gesund leben kann.

Hildegard wurde bekannter, ihr Ruf verbreitete sich immer mehr, so dass auch das Kloster auf dem Rupertsberg bald zu klein wurde und sie 1165 ein Tochterkloster in Eibingen gründete. Es lag auf der anderen Rheinseite, fast gegenüber dem Rupertsberg und Hildegard besuchte ihre Schützlinge zweimal wöchentlich mit dem Schiff. Was schon eine beträchtliche Leistung war, da sie mittlerweile fast siebzig Jahre alt und nicht bei bester Gesundheit war.

Einer neuerlichen Vision folgend, unternahm Hildegard zwischen 1160 und 1170, trotz ihres fortgeschrittenen Alters und des schlechten Gesundheitszustandes, vier große Predigerreisen, die sie quer durch Deutschland und auch nach Österreich führten.

Die Ordensfrau war keine gewöhnliche Frau, wie man sie in dieser Epoche erwartete, sie hatte eine Meinung, die sie auch kund tat, sie schrieb an Kaiser, Könige, Päpste und andere wichtige Menschen viele Briefe, in denen sie sie ermahnte und ihnen unverblümt die Wahrheit sagte. Auch in ihren Predigten nahm sie sich kein Blatt vor den Mund und bewirkte damit so manchen Sinneswandel im Klerus.

Im Jahr 1179 starb Hildegard von Bingen 81jährig in ihrem Kloster Rupertsberg. Sie war eine Visionärin, Mystikerin, Naturwissenschaftlerin, Autorin, Komponistin und Kämpferin für ihren Glauben und ihre Visionen. Ihr Lebenswerk geriet lange Zeit in Vergessenheit und hat anscheinend nur darauf gewartet wiederentdeckt zu werden. Ihre Erkenntnisse in Sachen Ernährung und Lebensweise haben nichts an Aktualität verloren, sie veranlassen uns zum Umdenken und führen uns zu einem gesunden, ausgeglichenen Dasein. Das haben schon viele Menschen erkannt, deshalb wird sie auch in diesem Jahrtausend immer populärer.

Anmerkung: Es gibt über das genaue Geburtsdatum, den Geburtsort und auch das Sterbedatum unterschiedliche Veröffentlichungen, deshalb habe ich mich bei den Daten auf die Jahreszahlen beschränkt.

[Quelle: "Hildegard von Bingen - Heilendes Fasten" Moewig Verlag]

Text: Sabine Miksu

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