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Ersterscheinung: Jänner 2013

 

Ein Kleeblatt im Glück

Es war eine saftig grüne Wiese. Leicht hügelig. Auf der einen Seite umgeben von einem lauschigen Wäldchen. Auf der anderen Seite ein schmaler Spazierweg. Die Menschen gingen gern hier spazieren. Zu Zweit. In kleinen Grüppchen. Allein. Oder mit ihren Hunden.

Manchmal ergab es sich, dass so ein Mensch, einer, der Musse hatte und aufmerksam war für die Schönheiten der Natur, ein paar Schritte über die Wiese lief. Einfach so. Weil er Lust und Freude hatte.

Und vielleicht bückte sich dieser Mensch. Und erinnerte sich an seine Kindheit. Da hatten seine Eltern mit ihm zusammen das Glück auf der Wiese gesucht. Glück in Form eines vierblättrigen Kleeblatts. Seine Augen glitten über die Gräser. Seine Hände schoben da und dort ein Stengelchen beiseite. Und ganz ganz selten hatte er wirklich Glück. Dann betrachtete er dieses vierblättrige Kleeblatt voller Zärtlichkeit und streichelte die vier Blättchen. Sein Ausdruck war dann voller Liebe.

Und das war es. Was das zweiblättrige Kleeblatt sehr traurig machte. Des  öftern schon hatte es diesen Menschen beobachtet. Denn wie es der Zufall so will, verweilte der Mensch immer in seiner Nähe. Und das zweiblättrige Kleeblatt wollte so gerne dieses Eine sein, dass diesem Menschen das Glück schenkte. Doch mit zwei Blättern war es arm dran. Ärmer noch als die dreiblättrigen Kleeblätter. Die brachten zwar auch kein Glück. Doch immerhin. Sie waren näher dran.

Selber wusste es beim besten Willen nicht, warum es mit diesem Makel geboren worden war. Und so vergoss es viele kleine Tränchen. Nie würde es ihm vergönnt sein, sich selbst zu verschenken. Es war so unglücklich. Denn sein größter Herzenswunsch, diesen einen, besonderen Menschen glücklich zu machen, würde nie und nimmer in Erfüllung gehen.

Bis eines Tages das dreiblättrige Kleeblatt, das neben ihm dahinwuchs und vom Leid seines Nachbarn wusste, genug von diesem Elend hatte. Es stupste seinen zweiblättrigen Freund in die Seite und sagte: „Ok, ich habe jetzt lange genug zugesehen und zugehört und mitgelitten. Ich glaube, ich bin jetzt bereit, etwas für das Glück zu tun.“

„Och, Du kannst nichts für das Glück tun, das können nur die Auserwählten, die vierblättrigen Kleeblätter“, schniefte das zweiblättrige Kleeblatt. „Kann ich wohl“, beharrte das dreiblättrige Kleeblatt. „Und ich weiß auch schon, wie!“

„Echt?“, fragte das zweiblättrige Kleeblatt und war nun ganz aufgeregt. „Du kennst den Weg zum Glück?“

„Jaha“, antwortete das dreiblättrige Kleeblatt, richtete sich zu seiner vollen Größe auf und zupfte sich eines seiner drei Blättchen vom Leib. „Um Himmelswillen“, rief das zweiblättrige Kleeblatt ganz erschrocken, „was machst Du denn da?“ Doch sein Nachbar antwortete, ein glückseliges Lächeln auf den Lippen: „Hab Vertrauen, kleiner Freund, Du wirst schon sehen.“

So kam es, dass unser Mensch heute, an diesem besonderen, einzigartigen Tag, dieses besondere, einzigartige Kleeblatt fand. Ein Kleeblatt im Glück.

Vierblättrig. Und mit zwei Stengelchen ausgestattet. Sie schmiegten sich aneinander, als wären sie Eins.

 

Text: Danila Shakira Giorni Niels

www.himmelsworte.ch

 

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