Ausgabe 91 / September 2015

Zwei Freunde hatten sich in einer trockenen Wüste verirrt. Die Sonne brannte vom Himmel und sie hatten nur noch eine kleine Menge Wasser. Die Hitze war sehr groß, und am Ende stritten sie sich um die letzten Tropfen. Einer von beiden schlug dem anderen ins Gesicht.

Dieser schrieb unter Schmerzen und wortlos folgendes in den Sand:
"Heute hat mich mein Freund geschlagen."

Erstaunt sagte sein Freund nichts; er entschuldigte sich und beide setzten ihren Weg fort.

Am nächsten Tag kamen sie in eine Oase. Sofort, als sie ankamen, gingen sie zu einer Wasserstelle baden.

Aber der, der in den Sand geschrieben hatte, verlor das Bewusstsein und ging unter. Sein Freund tauchte und brachte ihn aufs feste Land zurück. Nachdem er wieder zu Atem gekommmen war, nahm er einen Stein und ritzte darauf: "Heute hat mir mein Freund das Leben gerettet."

Derjenige, der geschlagen und dem Freund das Leben gerettet hatte, fragte:
"Als ich dich verletzt habe, hast du in den Sand geschrieben, und jetzt hast du auf Stein geschrieben. Warum?"

Er antwortete:
"Wenn dich jemand verletzt hat, musst du es in den Sand schreiben, wo der Wind des Verzeihens das Geschriebene auswischen kann. Aber wenn dir jemand etwas Gutes tut, musst du es in Stein meißeln, wo es kein Wind löschen kann."

Lerne, die Verwundungen in den Sand zu schreiben und deine Freuden in Stein zu gravieren!

 

[Autor leider unbekannt]

 

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