Ausgabe 104/März & April 2017


Ein paar Gedanken zur
Fastenzeit
 

Die Fastenzeit war vor langer Zeit ein notwendiges Muss, denn die Vorräte des letzten Sommers gingen zu Ende und die Natur schenkte noch keine neue Nahrung. So blieb den Menschen gar nichts anderes übrig, als sich die Mahlzeiten gut einzuteilen und auf vieles zu verzichten. Erst zu Ostern waren die ersten Lämmer geboren und groß genug um sie zu schlachten, ein wahres Festmahl für die ausgelaugten und hungrigen Menschen.  Der religiöse Aspekt kam dann irgendwann dazu und es wurde ein fixe Zeitspanne festgelegt, in der vieles verboten war, 40 Tage lang wurde kein Fleisch gegessen, kein Alkohol getrunken, nicht gefeiert.

Heutzutage servieren wir am Aschermittwoch Heringsschmaus, wobei das jetzt auch nicht wirklich nach großem Verzicht klingt, kurz vor Ostern erwacht in uns das irgendwann eingeimpfte religiöse schlechte Gewissen und wir essen Spinat an Gründonnerstag und Fisch am Karfreitag. Und das war sie dann auch schon die Fastenzeit. Flankiert von zwei Tagen an denen kein Fleisch gegessen wird und man halt gnädigerweise auf Fisch ausweicht.

 

Wir leben in einem derartigen Überfluss, dass wir den Bezug zur Natur völlig verloren haben, wissen nicht mehr, wann was im eigenen Land geerntet wird, weil wir Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren auch im Winter zur Verfügung haben, bereits das gesamte Jahr über Paradeiser und anderes frisches Gemüse kaufen können und vom Fleischangebot möchte ich gar nicht erst anfangen. Müsste jeder seine Nahrung selbst jagen, wären wohl viele bereits Vegetarier oder verhungert. Doch der Konsumgesellschaft sei dank, wir haben jederzeit alles zur Verfügung und sind bereits so übersättigt, dass uns die Ideen ausgehen, was wir essen könnten.

Ein bisschen Verzicht würde uns gut tun und vielleicht sogar bewirken, dass wir das Essen wieder schätzen und genießen lernen. Außerdem würd’s auch den großen Entgiftungsorganen, wie  Leber, Galle, Nieren und auch der Haut gut tun, wenn sie etwas entlastet werden und durch diverse Kräutertees etwas Unterstützung erhalten. Der Körper kommt mit weniger Essen besser zurecht, als wir glauben, wir sind viel zu sehr auf fixe Mahlzeiten und Portionsgrößen fixiert. Würden wir aus diesen angelernten Programmen aussteigen und dem Körper Zeit geben sich zu melden, würden wir wohl alle viel weniger und zu ganz anderen Zeiten essen.

Doch genug vom Essen.  Die Fastenzeit steht ja  nicht nur für den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, wir können die 40 Tage nutzen, um ein letztes Mal vor dem Frühling Innenschau zu halten, zu reflektieren, die eigenen  Bedürfnisse zu erkennen. Sozusagen den Keim legen für alle Projekte, die wir im Frühling und Sommer erblühen lassen wollen. Den Fokus auf Wunscherfüllung stellen, sich von selbstauferlegten Verpflichtungen befreien und einfach mal das tun, was man schon immer mal machen wollte. Um wirklich in sich gehen zu können, muss man aber erst mal alle störenden Geräusche und Ablenkungen abschalten. Wie wäre es mit einem Verzicht auf Nachrichten, TV, Radio, Internet, Handy… kein Facebook, Instagramm, WhatsApp oder Twitter… nichts… Stille.

Ein kurzes Abschotten von der Außenwelt hat noch niemanden geschadet, ganz im Gegenteil – es ist der reinste Seelenbalsam und tut einfach nur gut. Sich selbst finden, sich selbst wieder spüren, sich um sich selbst kümmern – das ist für mich Fastenzeit… ich verzichte auf das Außen und richte meine Aufmerksamkeit nach Innen.

Vielleicht gelingt es nicht die gesamten 40 Tage lang, aber zumindest ein Wochenende sollte drin sein und wenn man dann mal spürt, wie gut das tut… verzichtet man sowieso ganz von selbst auf so manch unnötiges aus der Außenwelt.

In diesem Sinne wünsche ich stille Tage der Einkehr und eine erfolgreiche Selbstfindung.

Text: Sabine Miksu

 

Home Lichtbote