Ausgabe 13 / 3.3.2009

Einfach zum Nachdenken...

SCHULE: Zeit zwischen den Pausen ?

von Christian Geschöpf
 

Jeder, der ein schulpflichtiges Kind hat, wird sich vielleicht schon bei dem Gedanken erwischt haben, was an unseren Schulen alles falsch läuft – überfüllte Klassen, überforderte Lehrer und desorientierte Kinder.

Doch schon lange vor der Schulzeit wird man vom Staat gefordert: wenn man für das noch ungeborene Kind, für das es vielleicht nicht einmal noch einen Namen gibt, schon einen Kindergartenplatz reservieren muss. Spätestens da ist jeder vorgewarnt. Also versucht man bereits in der Kindergartenzeit die Wunsch-Volksschule festzulegen, in der man dann doch vielleicht in letzter Minute keinen Platz bekommt.

In den ersten vier Schuljahren findet man dann völlig veränderte Bedingungen vor, wenn man sie mit der eigenen Schulzeit vergleicht; ganz junge Eltern jetzt einmal ausgenommen. Lebendige, bunte Klassen, geschmückte Wände, Bücher, Matten, Kissen und beklebte Fenster. Dazu lustig angeordnete Tische und Stühle in jeder Form, nur nicht in sturen, geraden Reihen. Möglicherweise gibt es in der ersten Klasse gar keine Noten, alle duzen sich, das macht man auch mit der Direktorin oder dem Direktor. Spielender Übergang von der unbeschwerten Kindergartenzeit in die harte Schule des Lebens?

Jetzt sollte man meinen, dass sich das Tempo langsam steigert, Aufgaben erteilt und Ziele gesteckt werden. Eher nicht. Es geht gemütlich weiter: Benotung ja, streng nein. Viele Ausflüge, ein bisschen Schreiben und Rechnen und reichlich Ferien und autonome Tage. Und wenn auch mit ganz leichter Steigerung, aber im Großen und Ganzen geht’s so weiter bis zur vierten Schulstufe. Wieder eine Gruppe Kinder durchgebracht, und die nächste Entscheidung ist fällig.

Hauptschule, Gymnasium oder doch eine kooperative Mittelschule? Und was heißt das überhaupt: kooperative Mittelschule? Oder einen Schulversuch, oder seit neuestem die Gesamtschule? Eines haben sie alle gemeinsam: sie helfen alle nicht, Talente zu fördern, Stärken zu entdecken oder gar Berufsbilder näher zu bringen. Natürlich gibt es Ausnahmen: Privatschulen auf jeden Fall. Auch die ein oder andere öffentliche Schule ist redlich bemüht, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Persönlichkeiten zu formen.

Der größte Teil bleibt aber leider unter dem Durchschnitt. Ob es jetzt um die pädagogischen oder fachlichen Qualitäten der Lehrer oder einen organisierten und aufbauenden Stundenplan oder gar um eine interessante und ansprechende Gestaltung des Unterrichts geht; Vieles liegt da im Argen. Also bleibt es dem einzelnen Schüler selbst überlassen, aus diesem kargen und fehlerhaften Angebot das Beste herauszuholen und für sich zu nutzen.

Nicht zuletzt die PISA-Studie hat uns aber gezeigt, dass dazu längst nicht alle unsere Kinder in der Lage sind. Im einfachen Rechnen und bei der Rechtschreibung in der eigenen Muttersprache sind sie schlechter als noch die Schüler vor der Jahrtausendwende. Wenn Kinder wirklich den Unterricht nur als Wartezeit bis zur nächsten Pause sehen, dann ist es wirklich fünf vor zwölf.

Das Schulsystem wird und muss sich verändern: durch Reformen, durch andere Denkweisen und neue Unterrichtsideen. Multimediale Techniken im Unterricht sind genauso wenig wegzudenken, wie die Integration von fremdsprachigen Kindern in einem neuen Unterrichtsumfeld. Und eine neue Art von Lehrerschaft muss her: durchsetzungsfähig, kompetent und wenn möglich, mit Freude an der Arbeit.

Die passende Generation dazu wächst ja bereits heran …

  

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